Filmkritik: Der wunderbare Garten der Bella Brown

Thomas Barth

„Der wunderbare Garten der Bella Brown“ ist ein modernes Märchen aus einem idyllisch-kleinstädtisch im Retrostil präsentierten London. Der mit warmherzigem Humor überzeugende Film ähnelt nicht nur vom deutschen Titel her dem Klassiker „Die fabelhafte Welt der Amélie“, auch Filmmusik und Stimmung erinnern daran und die Hauptfigur ist ähnlich verträumt angelegt.

Bella Brown (Jessica Brown Findlay, „Downtown Abbey“) ist ein wunderschönes, aber etwas sonderbares Mädchen, das -märchengerecht- als Findelkind im Kloster groß wurde. Nun ist sie Bibliothekarin, Bücherwurm und versucht sich auf einer alten Schreibmaschine als Schriftstellerin. Leider ist sie sehr gehemmt und zwangsneurotisch, hat eine peinlich aufgeräumte Wohnung, feste Gewohnheiten und kontrolliert immer mehrfach, ob sie ihre Haustür auch wirklich abgeschlossen hat. Bella hat sieben Zahnbürsten, für jeden Wochentag eine, in wohl sortierten Gläsern sammelt sie Gummibänder, Münzen und skurrile Dinge. Ihr einziges Problem: Zur Wohnung gehört auch ein kleiner Hinterhofgarten und dort wuchert ein verwahrloster Urwald, denn Bella mag die Natur nicht und verabscheut Gartenarbeit. Das ärgert ihren Nachbarn, Mr. Stephenson (Tom Wilkinson), einen alten Griesgram und Gartenfanatiker, der sich beim Vermieter über Bellas Unkrautacker beschwert. Der Miesepeter ist reich und hält sich den irischen Meisterkoch Vernon (Andrew Scott, bei Benedict Cumberbatch „Sherlock“ spielt Scott den bösen Superschurken Moriati), der aber aufmüpfig auf Bellas Seite wechselt als ein Hausverwalter sie wegen Vernachlässigung ihrer Gärtnerpflichten prompt aus ihrer Wohnung werfen will. Vernon kennt seine Rechte ganz genau und holt unter Verweis auf Mieterschutzgesetze eine vier Wochen-Gnadenfrist für Bella heraus.

Regeln sind auch an Bellas Arbeitsplatz sehr wichtig, denn in der Bibliothek führt ihre Vorgesetzte Miss Bramble (Anna Chancellor) ein strenges Regiment der absoluten Ruhe. Daran kann sich der chaotisch-geniale, aber überaus charmante Erfinder Billy (Jeremy Irvine, „Gefährten“) nur schwer halten. Bellas zartes Begehren weckt der attraktive junge Mann mit den vielen Papierrollen geheimnisvoller Konstruktionspläne, zwischen denen er verbotenerweise mitgebrachte Pausenbrote versteckt. Bellas Gefühle treffen zwar auf Gegenliebe bei dem für fragil-mechanische Geschöpfe schwärmenden Genius, doch versehentlich bricht er ihr das Herz. Dabei hat sie gar keine Zeit für Liebeskummer, denn die Uhr tickt und ihr Garten muss dringend gepflegt werden. Leider kann Koch Vernon ihr wegen Heuschnupfen dabei nicht helfen. Aber während der grummelnde Mr.Stephenson nebenan darben muss, bekocht er die bislang von Konserven lebende Bella mit exquisiten Leckereien. Schließlich muss Bella selbst Hand an ihren Garten anlegen und sich zunächst einmal allein durch ihr -für sie beängstigendes- Gestrüpp kämpfen (wofür ein Psychoanalytiker sicher eine interessante Deutung finden könnte). Zuletzt öffnet sich heftig die Zuckerdose der Happy-End-Pandora und -anders als im US-amerikanischen Kino üblich- kommen hier nicht nur die Harten in den Garten.

„Der wunderbare Garten der Bella Brown“ ist ein romantisches Filmmärchen, Wohlfühlkino, das von liebevoll gezeichneten skurrilen Figuren lebt und nur gerade soviel Konfliktstoff zeigt, dass es nicht langweilig wird. Er schmeckt nach britischen Süßigkeiten, eigentlich mit mehr Zucker als die Polizei erlaubt, aber gerade darum lieben wir sie.

Der wunderbare Garten der Bella Brown, (Originaltitel „This Beautiful Fantastic“), Komödie, UK/USA 2016, R: Simon Aboud, D: Jessica Brown Findlay, Andrew Scott, Jeremy Irvine, 92 Minuten, *** 3,5 von 5 Sternen, Kinostart: 15. Juni 2017

erschien auf www.filmverliebt.de

English:

„This Beautiful Fantastic“

„This Beautiful Fantastic“, titeled in the german cinema „The wonderful garden of Bella Brown“, is a modern fairy tale from an idyllic, small-town in the retro-styled London. The film, with its warm hearted humour, is not only reminiscent of the German title of the french classic „The Fabulous World of Amelie“, but also film music and mood recall and the main character is similarly dreamy.
Bella Brown (Jessica Brown Findlay, „Downtown Abbey“) is a beautiful, but somewhat strange girl who-fairy tale-was foundling in the monastery. Now she is a librarian, a bookworm, and she tries to work on an old typewriter as a writer. Unfortunately, she is very inhibited and obsessively neurotic, has an embarrassingly tidy apartment, fixed habits and always checks repeatedly whether she has really completed her front door. Bella has seven toothbrushes, for every weekday one, in well-assorted glasses she collects rubber bands, coins and quirky things. Her only problem: The apartment also includes a small backyard garden and there grows a bedraggled jungle, because Bella does not like nature and abhors gardening. That annoys your neighbors, Mr. Stephenson (Tom Wilkinson), an old curmudgeon and garden fanatic who complains to the landlord about Bella’s weed field. The Sourpuss is rich and holds the Irish Master Chef Vernon (Andrew Scott, at Benedict Cumberbatch „Sherlock“ plays Scott the evil Super Rogue Moriati), but who changes rebellious on Bellas side as a caretaker she wants to promptly throw out of her apartment because of neglecting her gardener duties. Vernon knows his rights quite accurately and, with reference to tenant protection laws, brings out a four-week grace period for Bella.
Rules are also very important in Bella’s workplace, because in the library her superiors Miss Bramble (Anna Chancellor) leads a strict regiment of absolute tranquility. The chaotically ingenious, but very charming inventor Billy (Jeremy Irvine, „companions“) can only be difficult to hold on to this. Bella’s desire awakens for the attractive young man. Billy visits the library with the many paper rolls of mysterious construction plans, between which he conceals forbidden sandwiches. Billy and Bella are falling in love. Luckily the young genius is keen on fragile mechanical creatures, but then he accidentally breaks her heart. She has no time for love, because the clock is ticking and her garden needs to be cared for urgently. Unfortunately, the clever cook Vernon can’t help her because of hay fever. But while the grumbling Mr. Stephenson next door must starve, Vernon cooks for Bella exquisite treats.  After all, Bella has to subdue her garden with her own hands and to fight against the jungle alone (for which a psychoanalyst could certainly find an interesting interpretation). Lastly, the sugar can of the happy-end-Pandora is opening up here in the garden.
„The wonderful garden of the Bella Brown“ is a romantic film fairy tale, well-being cinema that lives on affectionately drawn whimsical figures and only just so much conflict shows that it becomes not boring. It tastes like British candy, actually with more sugar than the police allowed, but that’s why we love it.

Filmkritik: Nichts zu verschenken (Radin!)

Filmkritik von Thomas Barth radin

Komödie, R: Fred Cavayé, D: Dany Boon, Noémie Schmidt, Laurence Arné, Patrick Ridremont; Wild Bunch, Kinostart 6.April 2017

Die Komödie von Fred Cavayé setzt Frankreichs strahlenden Komikstar Dany Boon gekonnt und mit viel Herz in einer wendungs- und temporeichen Handlung in Szene. (**** 4/5 Sternen)

Der Geiger François Gautier (Dany Boon) ist virtuos in seinem Fach, aber auch ein notorischer Geizhals. Eine Art Familienfluch lastet auf ihm, denn sein Vater war ein hemmungsloser Verschwender und seine davon entnervte Mutter nahm dem Fötus François noch im Mutterleib das Versprechen ab, niemals so zu werden wie ihr Ehemann. 40 Jahre später lebt der inzwischen erfolgreiche Geiger im geerbten Elternhaus, wartet abends mit dem Lesen von Rechnungsbelegen im Dunkeln, bis endlich die Laterne vor seinem Fenster eingeschaltet wird. Er spart an Strom, Essen, Kleidung und macht sich durch seinen Geiz allseits unbeliebt. Aber nicht bei allen: Die plötzliche Zuneigung der schönen Cellistin Valérie (Laurence Arné), droht Gautiers Gefühlswelt gehörig durcheinander zu bringen.

Geld auszugeben löst Panikattacken bei Gautier aus, so wundert man sich nicht, ihn in einer Einstellung auf der Couch eines Therapeuten liegend zu sehen. Wie sich herausstellt, ist es jedoch sein Banker -Gautier würde niemals Geld für eine Therapie ausgeben-, der dem Sparfuchs wiederholt seinen Kontostand vorlesen muss (250,456,- Euro). Der Banker gibt seinem besten Kunden jedoch keine Anlagetipps, sondern rät ihm sehr französisch, aber etwas berufsuntypisch, doch endlich mal etwas von seinem Geld auszugeben, etwa um die schöne Cellistin zum Essen auszuführen. Das leuchtet Gautier ein, doch er entwickelt lieber einen Plan, die schüchterne Kollegin kostenfrei auszuführen -was natürlich in einem Fiasko enden muss.

Als eines Tages ohne Vorwarnung die 16-jährige Laura (Noémie Schmidt, 25) vor seiner Tür steht und ihm offenbart, dass sie seine Tochter ist, will Gautier ihr kein Wort glauben. Er fürchtet einen Trickbetrug und versucht sie abzuwimmeln. Doch Laura gibt nicht auf und schlägt solange Lärm, bis ihr Vater sie aus Scham vor den Nachbarn einlässt. Es stellt sich heraus, dass sie die Frucht einer einzigen Liebesnacht mit einer fast vergessenen Jugendliebe ist, die, von ihm zur Kontrolle angerufen, die Geschichte Lauras bestätigt und Gautier an das damals von ihm verwendete abgelaufene Kondom erinnert. Er solle sich vier Wochen um Laura kümmern, da sie, die Mutter, mit ihrer Harfe auf Tournee nach Indien müsse. Höchst unwirsch lässt der geizige Geiger dies zu, verlangt sogar Miete von Laura. Doch diese wirbelt sein Leben auch in positiver Weise durcheinander, bis hin zu seiner Läuterung nach Enthüllung eines dunklen Geheimnisses.

Fred Cavayé und Dany Boon

Regisseur Fred Cavayé, bislang mit drei Thrillern aufgetreten, (Ohne Schuld, Point Blank, Mea Culpa), knüpft mit dieser Komödie an humoristische Kurzfilme früher Schaffensphasen an. Im Tempo seiner Inszenierung verknüpft er Spannung mit Herz und Humor. Dany Boon gibt mit Bravour den zwar sympathischen, aber zwangsneurotischen Pfennigfuchser. Frankreichs Top-Comedian Dany Boon schrieb 2008 Filmgeschichte mit seiner Komödie “Willkommen bei den Sch’tis” -mit Buch, Regie und als Darsteller: Mit 20 Millionen Besuchern löste er Louis de Funès als Publikumsliebling der Gallier ab (in Deutschland kamen immerhin noch 2 Millionen). Mit seinem Film “Der Superhypochonder” widmete er sich schon 2013 einem klassischen Komödienthema Molièrs. Nun, unter fremder Regie, beweist er auch Molièrs „Der Geizige“ gewachsen zu sein. Freilich nur im weitesten Sinne, denn anders als das um Werktreue bemühte „Louis, der Geizkragen“ (1980) von Louis de Funès, ist „Nichts zu verschenken“ nur dem Thema Geiz verpflichtet.

Fred Cavayé bewegt sich zwischen Märchen, Liebesfilm und Komödie. Man erinnert sich an Dany Boon in der genialen Actionkomödie „Micmacs -uns gehört Paris“ (2009, Regie Jean-Pierre Jeunet), aber auch an die Scheidungs-Komödie „Eyafjallajökull“ (2013, Regie Alexandre Coffre) wo Boon sich erbitterte Wortgefechte mit der Ex lieferte. Hier knüpfen seine Telefonate mit Lauras Mutter an, doch meist gibt sich Geiger Gautier wortkarg. Dies lässt eher an Rowan Atkinson denken, dem Boon in der französischen Fassung „Bean, le film le plus catastrophe 1997 die Synchronstimme lieh.

Quasi als „Mr.Bean mit Baguette“ stolpert Boon jetzt geizig-egoistisch und dennoch sympathisch durch die Katastrophen seines Violonistenlebens. Eine Schlüsselszene von 1997 lebt im aktuellen Film andeutungsweise wieder auf: Mr.Bean ist im genannten Film ein Londoner Museumswächter, der -in den USA für einen Kunstkenner gehalten- eine Rede auf ein berühmtes Gemälde halten soll. Wider Erwarten verblüfft er Museums- wie Filmpublikum durch eine grandiose und anrührende Ansprache. Boon kann hier an seine Bean-Adaptation anknüpfen, wenn er -ähnlich absurd- plötzlich zum Hauptredner einer Spendengala wird. Regie, Haupt- und Nebenrollen überzeugen: Hochkomisch, fintenreich und mit viel Herzblut -eine empfehlenswerte Komödie aus Frankreich. (**** 4/5 Sternen)

Donald Trump -warum hat sein Sieg so viele schockiert?

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Was ist dran an Verschwörungstheorien, Fakenews und Propaganda?

Thomas Barth CIA_floor_seal

Spektakuläre Enthüllungen im Internet (Wikileaks, Snowden) haben unseren Einblick in Militär und Geheimdienste erweitert. Propaganda und Gegenpropaganda waren etwa im Medienkrieg um den Ukraine-Konflikt kaum noch zu unterscheiden (Abschuss von MH17, Putins Netztrolle, Rechter Sektor). In der Politik schaffen neue PR-Agenturen mit ihren Internet-Bots als „Friend Faker“ gegen Bezahlung den Anschein von Popularität.

Aktuell sind die Leaks von E-Mails aus der Parteizentrale von Hillary Clinton in aller Munde -sie sollen von russischen Hackern im Auftrag Putins erfolgt sein. Clintons Gegner Trump wurde deshalb als „Marionette Putins“ bezeichnet. Fakenews? Putin soll mit seinen Trollen in die US-Wahlen eingegriffen haben -so tobt ein Medienkrieg mit harten Bandagen. Die EU gründet eine Institution zur Gegenpropaganda, die Bundeswehr rüstet sich für den Cyberwar im Internet. Psychologische Kriegsführung trifft sich mit Cyberwarfare und NSA-Überwachung im Internet.

Parallel dazu machen sich meist unbemerkt neue Formen der Kriegsführung breit. Ob der Drohnenkrieg in Pakistan und Jemen, der Rückzug aus dem Irak oder der blutige „Regime Change“ in der Ukraine –überall finden sich neue Formen von militärischer Intervention. Neue Internetmedien wie The Intercept des Snowden-Enthüllers Glenn Greenwald und des US-Journalisten Jeremy Scahill (Doku: Schmutzige Kriege) liefern heute mehr Information darüber als traditionelle Medien. „Gezielte Tötungen“ aus der Ferne mittels Drohnen haben sich unter Obama vervielfacht; Söldnerfirmen wie Blackwater kommen immer öfter zum Einsatz, sind in Korruption verstrickt und operieren oft außerhalb von Recht, Völkerrecht und Menschenrechten.

Aktuelle Bildungsangebote der Volkshochschule Hamburg zu diesen Themen:

„Asymmetrische“ oder „schmutzige“ Kriege? Drohnenkrieg und Söldnerarmeen

Kurzreihe: Die neuen Kriege im 21. Jahrhundert, Teil 2

Ob der Drohnenkrieg in Pakistan und Jemen, der Rückzug aus dem Irak oder der „Regime Change“ in der Ukraine –überall finden sich neue Formen von Kriegsführung. Neue Internetmedien wie TheIntercept des Snowden-Enthüllers Greenwald liefern heute mehr Information darüber als traditionelle Medien. „Gezielte Tötungen“ aus der Ferne mittels Drohnen haben sich unter Obama vervielfacht; Söldnerfirmen wie Blackwater kommen immer öfter zum Einsatz, sind in Korruption verstrickt und operieren oft außerhalb von Recht, Völkerrecht und Menschenrechten. Das Seminarangebot soll Wissenslücken schließen, die in den Medien oft unerwähnt bleiben, und Raum für Diskussionen bieten.

Workshop f. 10 – 20 Teilnehmende
Buchen unter Kursnummer: 3251NNN06
25.Feb.2017, Sa. 12-15.15Uhr, 4 UStd., 12,-Euro  (ermäßigt 6,-)
Thomas Barth, Hamburg, Poppenhusenstr.12, VHS-Zentrum Nord

Medienkriege: Cyberwar und Propaganda

Kurzreihe: Die neuen Kriege im 21. Jahrhundert, Teil 1wlogo-sm

Spektakuläre Enthüllungen im Internet (Wikileaks, Snowden) haben unseren Einblick in Militär und Geheimdienste erweitert. Propaganda und Gegenpropaganda sind etwa im Medienkrieg um den Ukraine-Konflikt kaum noch zu unterscheiden (Abschuss von MH17, Putins Netztrolle, Rechter Sektor). Die EU gründet eine Institution zur Gegenpropaganda, die Bundeswehr rüstet sich für den Cyberwar im Internet. Psychologische Kriegsführung trifft sich mit Cyberwarfare und NSA-Überwachung im Internet. Das Seminarangebot soll Wissenslücken schließen, die in den Medien oft unerwähnt bleiben, und Raum für Diskussionen bieten.

Workshop f. 10 – 20 Teilnehmende
Wegen Teilnehmermangel abgesagt
18.Feb.2017, Sa. 12-15.15Uhr, 4 UStd., 12,-Euro  (ermäßigt 6,-)
Thomas Barth, Hamburg, Poppenhusenstr.12, VHS-Zentrum Nord

Was ist dran an Verschwörungstheorien?

Viele klassische und neue Verschwörungstheorien sind heute im Internet präsent: von Freimaurern und Illuminaten BtmBookbis zu den Bilderbergern und modernen Mythen. Wie können wir ihre Herkunft, Wirkung und Wahrheitsgehalt aus historischer, politischer und psychologischer Sicht bewerten? Das Seminar soll auch wissenschaftliche Ansätze behandeln und Raum für Diskussionen bieten.
10 – 20 Teilnehmende
Do. 19:30 – 21:45 08.09.16 – 29.09.2016 , 4 Termine, 12 UStd.
Thomas Barth VHS-Zentrum Nord
Poppenhusenstraße 12, Hamburg

Werner Rügemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet

Buchkritik von Thomas Barth nyc_libertylesekreiscc10

Werner Rügemer: Bis diese Freiheit die Welt erleuchtet. Transatlantische Sittenbilder aus Politik und Wirtschaft, Geschichte und Kultur, PapyRossa, Köln 2016, 14,90 Euro —2.Auflage erscheint jetzt—-

Mythen, Lügen, Heuchelei – Werner Rügemer beweist in diesem Band erneut sein Talent, den falschen Glamour zu entlarven, mit dem sich unsere Herrschaftseliten so gerne schmeicheln lassen. Zum Vorschein kommen dabei oft genug Korruption, Ausbeutung und Kumpanei mit Verbrechern und Diktatoren. Dabei bleibt der Autor sachlich, aber unterhaltsam, deckt Medienlügen auf und lässt den Leser immer wieder über die kleinen und großen Eitelkeiten unserer (Möchtegern-) Eliten schmunzeln. Ungenaue Wiedergabe der Geschichte ist ein beliebtes Mittel dabei -auch die Freiheitsstatue ist ihr Ziel (so hält sich das Gerücht, reiche Leute hätten ihre Herstellung finanziert (etwa hier bei Telepolis), obwohl, wie Rügemer belegt, es Kleinspender waren.

Die Regierenden, ob in Washington, Berlin oder Köln/Bonn, stützen buchcover_bis-diese-freiheit-die-welt-erleuchtet-198x300ihre Macht auf Prunk und Pracht, auf heroische Geschichte und pathetische Symbole. Rügemer lässt sich nicht blenden und verpasst auch seinen Lesern eine Sehhilfe, die es erlaubt, die Wahrheit hinter der hypnotischen Propaganda zu erkennen. Dabei greift er große Heldengeschichten auf, wie auch kleine Lächerlichkeiten, Goethe wie Böhmermann, Adenauer wie Enzensberger, kleine Green-Peace-Sticker wie die mächtige Freiheitsstatue in New York. An allen Ecken wird von den Herrschenden und ihnen willigen Historikern die Geschichte frisiert, gaunerhafte Vorgänger zu ehrbaren Eminenzen und billige Mythen zu epochalen Weisheiten hochstilisiert, Peinlichkeiten und Verbrechen werden wegretuschiert: Professionelle Vergessensproduktion, der Rügemer mit spitzer Feder entgegentritt.

Titelgebend ist für die eher lose Sammlung von Artikeln und Essays die Freiheitsstatue in New York, „Lady Liberty“, die symbolisch für die moralische Überlegenheit der USA und der westlichen Länder steht. „Diese Freiheit“, die „die Welt erleuchtet“ ist der Einweihungsrede des damaligen US-Präsidenten Cleveland (1886) entnommen. Bekannt ist heute, dass die Statue den USA „vom französischen Volk“ geschenkt wurde. Rügemer enthüllt die Hintergründe: Das „Volk“ ist beiderseits des Atlantiks wörtlich zu nehmen, denn die beiden Regierungen hielten sich bei der Finanzierung ebenso zurück wie die Wohlhabenden, die im französischen Kolonialismus reich wurden bzw. in den USA durch Sklavenhaltung oder brutale Ausbeutung der Arbeitenden – „Die Parole ‚Freiheit‘ schien ihnen nicht so passend.“.

Paris sollte für die Finanzierung der Statue aufkommen, Washington für den Sockel, beide Regierungen bettelten das Geld aber lieber beim einfachen Volk zusammen. Arbeiter sollten einen Dollar bzw. Francs spenden, Schulkinder einen Cent. Daher konnte das Denkmal nicht wie geplant zur 100-Jahrfeier der Unabhängigkeit der USA errichtet werden, sondern erst zehn Jahre später. Auch die Freiheit, die sie preisen sollte, war noch ungleich verteilt: Der zu dieser Zeit gegründete US-Gewerkschaftsbund American Federation of Labor wurde von der liberalen New York Times dämonisiert, seine Forderung nach einem 8-Stunden-Tag als „unamerikanisch“ diffamiert, so lesen wir, als „Terrorismus“ und „Kommunismus“. Streikende wurde von paramilitärischen Söldnertruppen wie der „Pinkerton Detective Agency“ niedergeschossen, keiner der Mörder je von einem US-Gericht verurteilt. Dafür wurden ein Jahr nach Errichtung der Freiheitsstatue mehrere Gewerkschafter zum Tode verurteilt und erhängt -man hatte ihnen ohne Beweise einen Bombenanschlag angehängt, den angeblich Arbeiter als Rache für massakrierte Demonstranten begangen hatten. Als Symbol der so zelebrierten Freiheit wählte man eine Lady Liberty, aber für das Frauenwahlrecht mussten die echten Ladys der USA noch bis 1920 kämpfen, die Französinnen sogar bis 1945.

Die Freiheit gilt im Kapitalismus bzw. Neoliberalismus in erster Linie für das Geld bzw. die, die es besitzen. Im Kapitel „Finanzoase Washington: Geldversteck für Diktator Pinochet“ wird zunächst an den Militärputsch in Chile 1973 erinnert, wo unter Ägide von Henry Kissinger die CIA Rohstoffinteressen der US-Konzerne Anaconda Copper und ITT gegen den demokratisch gewählten Sozialisten Allende durchsetzten. Mit Sabotage, Subversion und Propaganda vorbereitet, installierte man per blutigem Umsturz eine der schlimmsten Folterdiktaturen der Geschichte. Diktator Pinochet holte den US-Ökonomen Friedman und seine neoliberalen „Chicago Boys“, die den Chilenen eine Privatisierungsorgie aufzwangen, wie sie dann in den 80ern und 90ern global verbreitet wurden. Pinochet und sein Clan quetschten derweil ein Multimillionen-Vermögen aus dem Land und deponierten es bei der renommierten Riggs Bank, Sitz in der US-Finanzoase Delaware. Bei der Riggs Bank, hatte auch Richard Nixon sein Konto, der Kissinger auf die Chilenen gehetzt hatte, sowie noch weitere 22 US-Präsidenten -angefangen bei Abraham Lincoln.

1998 nahmen Staatsanwälte in Spanien und weiteren Ländern Ermittlungen gegen Pinochet auf, in Ländern, deren Bürger unter den Mordopfern der chilenischen Diktatur waren. Gegen die Riggs Bank wurde im Zuge der Enthüllungen wegen Geldwäsche für Pinochet ermittelt, denn die US-Banker hatten dessen geraubte Millionen unter Decknamen und in diversen Steueroasen versteckt. Der mutmaßliche Massenmörder fand bis zu seinem Tod 2006 Asyl in London, Riggs Bank zahlte 50 Millonen Bußgeld wg. Geldwäsche an die US-Justiz (immerhin die bis dato höchste deshalb verhängte Strafe) und wurde von ihren kriminellen Eignern für 650 Millionen verkauft. Die neuen Besitzer bei der US-Bank PNC löschten den skandalbefleckten Namen und sind gut im globalen Finanzgeschäft unterwegs: Ihnen gehört u.a. Blackrock, der mit 4.000 Milliarden Dollar weltgrößte Hedgefonds.

So mischt das Buch brisante Enthüllungen mit historischer Forschung, doch streift Werner Rügemer auch durch weniger gravierende Skandale und kulturelle Untiefen. Etwa bemängelt er die satirische Qualität des mit höchster Medienaufmerksamkeit belohnten ZDF-Redakteurs Böhmermann, der mit seinem „Schmähgedicht“ gegen den bei Westlichen Machteliten gerade in Ungnade gefallenen Erdogan. Einen Staatschef der Türkei als „Ziegenficker“ und Schlimmeres zu verspotten bedient, so Rügemer, ein „typisches rassistisches, rechtsradikales Klischee“. Hans Magnus Enzensberger findet ebenso wenig Zustimmung bei Rügemer, der ihn als Wendehals charakterisiert. Enzensberger habe früher einmal gegen ungerechte Verhältnisse gekämpft, die heutige, noch weit ungerechtere Reichtumsverteilung aber zynisch gerechtfertigt -mit einem „stümperhaften Verschnitt des neoliberalen Glaubensbekenntnisses“, und das auch noch anlässlich des ihm verliehenen Heine-Preises (1998).

So reibt Werner Rügemer saturierten 68ern ihre inzwischen erlangte Gestrigkeit unter die Nase und auch die Grünen bekommen ihr historisches Fett weg: Die Zehntausendfach von ihren Anhängern auf Greenpeace-Aufklebern zitierte Weisheit des Häuptlings Seattle „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen wurde, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann“ hält seinem kritischen Blick nicht stand. Im Kapitel „Die gefälschte Rede des Indianerhäuptlings Seattle“ erfährt man, dass dieser Häuptling eigentlich Suquamish hieß, woraus die Eroberer des US-Bundesstaates Washington dann „Seattle“ machten und danach die Hauptstadt des neuen Territoriums benannten.

Suquamish hatte sich im Jahre 1855 der Übermacht der Weißen unterworfen und in den „Vertragsverhandlungen“ tatsächlich zwei Reden gehalten, deren Inhalt aber nichts mit den ihm angedichteten Romantisierungen der Natur zu tun hatten. Die späterkolportierte Rede schrieb erst ein Drehbuchautor 1970, der im Auftrag der „Southern Baptist Convention“ einen ökologischen Dokumentarfilm drehen sollte. Die Fake-Rede wurde zum Manifest der deutschen Öko-Bewegung, erlebte gewaltige Buchauflagen und wurde zur staatlich anerkannten Schulbildung, wie Rügemer anmerkt und folgert: „Von den Anhängern der gefälschten Rede muss aber verlangt werden, dass sie ihre kerosinhaltigen Massenfluchten in die erträumten Naturparadiese der Karibik und Thailands beenden.“ Dieser Appell mag nicht immer die Richtigen treffen, da Alt-Ökos wohl eher den Biohof vor Ort als Billigflieger nach Bangkok bevölkern dürften, aber ist in seiner Stoßrichtung vollkommen berechtigt. Und der eine oder andere Aufkleber mit Seattles vermeintlichen weisen Worten mag tatsächlich bis heute Koffer zieren, die in Richtung Karibik fliegen.

Lepra und Eichhörnchen im Reich von König Artus

Britische Forscher fanden Lepra-Bakterien in Nagetieren sciurus-vulgaris

Thomas Barth

Die Briten lieben ihre Legenden, neben Robin Hood vor allem die Sage von König Artus, der einst Großbritannien unter seinem Banner einte. Eine moderne tiermedizinische Legende besagte, dass die sich auf der Insel ausbreitenden grauen Eichhörnchen ihre traditionell rotbepelzten Verwandten mit einer tödlichen Seuche infiziert und so verdrängt haben: Dem Parapoxvirus.

Jetzt zeigte eine neue veterinärmedizinische Untersuchung, dass die Rotpelze schon von je her, womöglich schon seit König Artus‘ Zeiten, Träger eines auch für Menschen ansteckenden Keimes sind: Der Lepra, auch als Aussatz bekannt.

„Wir sollten mehr in Sorge um die Eichhörnchen sein als Angst vor ihnen zu haben“, gab Studien-Mitautorin Prof. Anna Meredith, University of Edinburgh, dem Guardian Entwarnung, „Wir haben festgestellt, dass Lepra bei Eichhörnchen in ganz Großbritannien und Irland weit verbreitet ist, aber wir wollen die Menschen damit nicht beunruhigen. Die Lepra grassiert unter den Tieren schon seit langer Zeit und seit Hunderten von Jahren gab es keine menschlichen Fälle mehr.“

Die Lepra-Studie fand seit 2009 auf Brownsea Island statt, einem beliebten Tourismusziel vor der Südküste Englands. Das Eiland, das in zwei Stunden umwandert werden kann, gilt nicht nur als Naturschutzgebiet und Pfadfinder-Paradies, sondern auch als Refugium der roten Eichhörnchen. In England wurden die roten Nager sonst großflächig von einer grauen Variante verdrängt, die nicht von Lepra-Bakterien befallen ist.

Ein möglicher Amtsnachfolger des legendären König Artus, Kronprinz Charles, verkündete vor zwei Jahren, auf seinen Landgütern die amerikanischen Einwanderer keulen zu lassen. Er wollte die graue Eichhörnchenplage zugunsten der traditionellen roten Nager bekämpfen. Prinz Charles ist auch Schirmherr des Red Squirrel Survival Trust, einer Vereinigung, die sich den Kampf für die roten Eichhörnchen auf die Fahnen schrieb.

Das ganze mutet wie eine Satire an, ist aber wahr. Doch die Briten lieben neben Legenden deren Parodie und die bekannteste der Artus-Sage ist wohl Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuß“. Dort bekommen König Artus‘ Tafelritter es bei ihrer Suche nach dem Heiligen Gral mit einem tödlichen Nagetier zu tun: Ein blutrünstiges Kaninchen rafft die Edelmänner dahin. Näher an der heutigen Lepra-Krise ist eine Satire auf „Die Nebel von Avalon“, die aus keltischer Sicht erzählte Artus-Story. „Die Schnäbel von Avalon“ nahm die heutige Rede von einer Eichhörnchenplage vorweg: Dort tötet ein rotpelziger Nager einen Thronfolger und am Ende des satirischen Romans wird sogar das Auftauchen der ersten Grauhörnchen ins sechste Jahrhundert vorverlegt, in die mythische Zeit des Königs von Camelot.

Tatsächlich wurde das erste Paar grauer Eichhörnchen (Sciurus carolinensis) erst 1876 aus Amerika eingeführt und in der nordwestenglischen Grafschaft Cheshire ausgesetzt. Was anfangs als exotischer Import galt, ist nach mehr als 130 Jahre in den Augen vieler Briten zur Plage geworden, denn die grauen Eichhörnchen haben die einheimischen roten Vertreter fast vollständig verdrängt. In Schottland begann man daher vor sechs Jahren mit einer großangelegten Ausrottung der graupelzigen Neueinwanderer -vielleicht sieht man sie unter dem Aspekt ihrer Lepra-Resistenz heute mit etwas freundlicheren Augen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Lepra in der Vergangenheit vom Eichhörnchen auf den Menschen übertragen wurde, als deren Fleisch und Pelz noch begehrte Jagdbeute waren. Der letzte dokumentierte Fall von Lepra datiert auf das Jahr 1798 und die gefundenen Bakterien weisen große Ähnlichkeit mit solchen auf, die man in Knochen von Lepraopfern aus dem Jahr 1485 fand.

Eichhörnchen werden zahm, gelten als niedlich, können jedoch eichoernchengerade auf den Britischen Inseln auch aggressiv werden. Im letzten Juli wurde in Cornwall ein dreijähriger Knabe von Eichhörnchen attackiert, meldete der Guardian, und so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Glücklicherweise handelte es sich um die zwar kräftigeren, aber nicht leprösen Grauhörnchen.

Siehe auch:

Die Schnäbel von Avalon

Deborah Natsios: Reversing the Panopticon

Quelle: https://cryptome.org/cartome/reverse-panopticon.htm

Deborah Natsios, Cartome.org Panopticon1
 John Young, Cryptome.org

Deborah Natsios

Visiting a town as stocked with symbolic monuments as Washington DC is a reminder of very real and provocative linkages between persuasive political systems and the civil space and edifices they generate. Architects are taught to „read“ landscape code, and this is a town of emblematic war memorials and presidential temples loaded up with tantalizing national narratives based on fact, myth and propaganda — all of which are inextricably intertwined with theories of power and ideas about ’security‘, including national security, which are the concern of advanced computing systems specialists and this USENIX symposium.

As readers of Cryptome and Cartome may be aware, John Young and I are not systems architects, but practitioners of architecture of the steel, glass, bricks and mortar kind — and so, as ‚legacy‘ architects we tend to project the implications of new technologies and their constitutive politics beyond machine and source code, games and simulations — onto the so-called real spaces they enable: the social space of the street, the city, the national boundary, global space. Washington DC as a weaver of allegory and myth also reminds us of the ancient link between bricks-and-mortar architecture and the first lines of security and defense. The classical language that drapes many of DC’s federal edifices embraces a mythologic history which credits Daedelus as being the first architect. This attribution is especially intriguing because Daedelus was the guy who designed Crete’s pernicious Labyrinth, an early structure of defense and punishment configured, interestingly, as an algorithm of 3D encryption. The Labyrinth was policed by that infamous bully-of a-bull enforcer, the Minotaur. I like to think of the Minotaur as an early bovine ancestor of the MPAA, RIAA and BXA.

Recently, I’ve become somewhat less impressed by Daedelus’ feat of labyrinthine enciphered design, than the insurgent work of someone we may come to respect as a largely unheralded first reverse-engineer — Ariadne. Ariadne did something as brilliant as it was subversive: she provided the ball of fragile silk thread which allowed the captive Theseus to exploit and defeat both labyrinth and Minotaur. Ariadne’s subtle thread constructed an ethereal reverse pathway back out of the convoluted maze, allowing Theseus to escape to safety.

It appears that reverse-engineering continues to enjoy the ancient taboo status it established early on in Minoan culture, as USENIX attendees who heard the Felten team’s paper on the SDMI Challenge last night are only too aware. It’s work that’s being stripped of its fair-use designation, and being increasingly demonized, even criminalized by our latter-day Minotaurs.

„‘Reversing the Panopticon“ is the motif of John Young’s and my remarks today. They allude to Cryptome and, more recently Cryptome’s companion site, Cartome’s, modest ongoing project of reverse-engineering, metaphoric in our case, perhaps, and perhaps as vulnerable as silk thread, too — transacted under the assumption that information is power, involving efforts to reverse-engineer labyrinthine information architectures: encouraging a reversal of restricted one-way information flows, a reversal of one-way transparency, a reversal of the one-way power relation captured through the insidious one-way mirror.

I guess our work also falls within architectural design parameters framed by that notable institution, the library, and its open-source, First Amendment sanctuary. In our case it’s the construction of an archive of salient documents relating to technologies with unambiguous — as well as ambiguous — political repercussions, especially those that impact civil liberties — and in Cartome’s case, technologies that impact the space and landscapes in which civil liberties are deployed or suppressed, as the case may be.

Since the end of August signals our perennial duty to humor friends and family determined to share summer travel adventures, I hope you’ll forgive my imposing a not so dissimilar travelogue today, albeit one where summer peripateticism has been charted as much by Cryptome and Cartome’s interests as the ubiquitous Baedeker or Lonely Planet travel guides. The inquisitive global tourist may find something to track in Cartome’s small but growing collection of spatial / geographic documents that focus on the claims and/or deceptions proffered by state-sponsored imaging systems, particularly those produced in the context of the national security state — geographically informative systems such as government cartography, photography, photogrammetry, steganography, camouflage, maps, images, drawings, charts, diagrams.

In the spirit of such tourism, we found ourselves a few short weeks ago tracking what was once a highly politicized historic space, a Tuscan stretch of what had been a key medieval power infrastructure, the Via Francigena — the Frank’s Road or Road to France — the leading trade and pilgrimage route that linked the capitals of Europe with Rome, a route that, in its day, continued on to sacred Jerusalem.

Hooking up with the Via Francigena happened to bring the idea of the encrypted labyrinth back into view once again. It turns out that labyrinths were etched on the floors of medieval cathedrals as compacted representations of the pilgrimage to the Holy Land, anagrammatic emblems of the ineffable mysteries of the penitent’s extended itinerary. If you couldn’t book a spot on the latest crusade to the Levant, spiritual benefits awaited those willing to walk-the-walk in the privacy of their own home cathedrals.

But we weren’t dealing with pilgrimage codes out there under the hot summer sun — no scaled down, compressed, enciphered mapping of a mystical itinerary — but the Via Francigena itself, at a robustly full-scale of 1:1, as it unfolded in real time and space through the central Tuscan province of Siena, surrounded by fragmented relics of its medieval security apparatus.

At one significant node, our trajectory intersected San Gimignano, the photogenic hill-town whose wealth had derived from its strategic siting along the heavily trafficked network. Those of you who have visited San Gimignano will agree that despite its glut of tourists, it’s a place of architectural interest that more than does justice to its designation by UNESCO as a World Architectural Heritage Site. “San Gimignano delle belle Torri” or “San Gimignano of the beautiful towers” is famous for the impressive stone shafts, some rising almost 50m in height, that still dominate its skyline. 14 of the original 72 structures remain.

The dueling multiplicity of the fortified towers is a clue of the free commune form of government that represented an emerging burgher class grown wealthy in trade, banking and commodities, which had superseded feudal political models in the late 12th century. The multiplicity of towers was an emblem of the newly decentralized, distributed network of commercial interests. The towers broadcast the competitive streak of prominent local families, signifying their owners’ status in the political and commercial calculus allied with nearby Florence’s Guelph and Ghibelline factions.
In their day, San Gimignano’s 72 towers had multiple roles in service of the free commune, including surveillance and security. They were strategic optical devices serving their owners’ geospatial agenda, loci of observation that overlooked the built town and strategic panoramas of the Tuscan countryside beyond. Among key targets of inspection and intelligence-gathering: ongoing reconnoitering of the dynamic flows of goods and humanity that coursed along the crucial Via Francigena, thronged with medieval agents on the move: merchants, prelates, soldiers, and pilgrims. When conflicts erupted over control of the Via Francigena’s valuable commodity flows — including the saffron, wine and olive oil for which the hill-town was reknown — the towers became integral to the military apparatus, functioning as launching platforms from which offensive and defensive actions could be deployed.

But in the context of another kind of architecture, the kind of information technology and architecture being tracked by projects like Cryptome.org, Cartome.org, and this USENIX Symposium, San Gimignano is even more intriguing because of historical factors that unexpectedly place it along a timeline that charts the emergence of a more modern kind of politicized space and landscape than either the feudal domain or free commune. I’m referring to the technologies, spaces and landscapes that underpin what we affectionately refer to as our own contemporary surveillance state. Though San Gimignano’s towers were part of the security apparatus of intelligent observation and defense within the free commune environment, their spatial, social and political function can be distinguished from later architectures and technologies of surveillance and social control that would eventually render obsolete the towers’ massive masonry engineering.

The town’s links to precursors of modern theories of security and surveillance are both tragic and ironic, obliging us to go beyond the era of San Gimignano’s communal wealth and dominance. Instead, we linger on the portentous year 1348, because in 1348, developments in culture, politics and commerce came to a devastating, horrifying standstill, leaving the hill-town’s 72 towers shrouded in cataclysmic death.

The usual medieval scourges of fire, war, earthquake and damnation were not to blame. Instead, San Gimignano had been visited by an exotic agent that had made its way along the Via Francigena swiftly and with a vengeance. It was a tiny, unprepossessing creature, Xenopsylla cheopsis, the Oriental rat flea, bearing neither rich saffron nor opulent silk goods, but the bacterium Yersina pestis, which proceeded to decimate the city’s population, reducing it by ¾, a ruthless epidemiological catastrophe that probably originated in a distant trade partner, China. Notwithstanding the impressive security apparatus afforded by looming towers that had successfully policed the pilgrimage and trade route, The Black Plague proved to be a non-negotiable adversary. San Gimignano — like other powerful Tuscan cities, including nearby Siena — would never really recover from its effects.

In a seminal and controversial work of the late 1970’s “Discipline & Punish: The Birth of the Prison”, the late French philosopher Michel Foucault tracks the origins of modern institutions of discipline and social control, like the prison, and in a much-debated chapter titled “Panopticism” Foucault points out that by the late 17th century, efforts to combat recurring outbreaks of the Plague –such as had savaged San Gimignano and Europe in years following 1348 — would eventually lead to urban protocols and management technologies that unexpectedly provided a structural and administrative prototype associated with the modern surveillance state. Ironically, epidemiological controls would provide the blueprint of what Foucault called: „the utopia of the perfectly governed city“.
Let me summarize Foucault’s fascinating description of disciplinary mechanisms applied to towns under threat of Plague pandemic — quarantines that, it turns out, would eventually follow very precise urbanistic, administrative and bureaucratic designs: Documents of the era describe quarantined towns being divided into distinct quarters, each quarter governed by a so-called intendant, each infected street placed under the authority of a syndic, who would keep it under constant surveillance. Each house would be locked from the outside by the syndic, who then submitted house-keys to the intendant of the quarter. Keys would be returned to owners only after the quarantine was lifted. Only intendants, syndics and guards were permitted to move about the streets and between infected houses, or from one corpse to another. All inhabitants were obliged to appear at their windows daily to be individually inspected and scrutinized in regard to their state of health. Each individual’s status was documented by written registration submitted by syndics to intendants, and then remitted to the central authority, the magistrate.

Thus, Foucault describes how under threat of pandemic Death, we find disciplinary machinery in which „social space is observed at every point… the slightest movement of individuals is supervised and recorded…written documentation links the omnipresent and omniscient hierarchic center with the quarantined periphery“. To paraphrase Foucault: during quarantines, the late 17th century inhabitant became „immobilized in a frozen kind of space… an environment in which inspection functioned ceaselessly… and the authoritarian gaze was alert everywhere“. This, says Foucault, was the “political dream of the plague”. This was “the utopia of the perfectly governed city”.

The reconnaissance capabilities of massive masonry observation towers, with their intelligence-gathering and defensive overview of strategic landscape and crucial traffic, had been supplanted by a more lightweight, mobile structure: a technology of administrative compartmentalization, classification and policing, underpinned by technologies of authoritarian inspection, data collection and databanking.

As some of you are aware, Foucault’s description of late 17th century quarantine protocols is a mere prologue to his more trenchant analysis: how a provocative model prison would be theorized and codified a century later, that effectively built on Plague quarantine protocols. The innovations of the infamous Panopticon cited in our talk’s title signaled a modern shift away from massively fortified security architecture and the punishing brutality of dark dungeons. The Panopticon provided novel machinery for social discipline through an ingenious design based on illumination, transparency and vision.

The Panopticon project was theorized in the mid-1780s by a British social reformer trained in law, Jeremy Bentham, the founder of the doctrine of Utilitarianism, who enlisted Enlightenment reason to draw up a utopian scheme for social reform — one he saw as equally applicable to the penitentiary house, mad-house, house of industry, or school.
Bentham’s Panopticon — the Greek neologism signified ‘all-seeing place’– was all about vision and transparency, but vision and transparency operating one-way only: in the service of power. Bentham specifications called for a concentric building whose periphery was divided into non-communicating cellular enclosures, in which confined inmates would be held in isolation, invisible to each other. At the center of the annular design was a tower, the lodge, which housed the omniscient inspector. The panoptic mechanism’s asymmetric system of lighting and wooden blinds ensured that the individual inmate was constantly visible, identifiable, and classifiable to the inspector — who was a kind of secular version of the allseeing god’s-eye.
But while the inmate is seen by the inspector, he himself cannot see. “He is the object of information, never a subject in communication” Foucault points out. The Panopticon’s power was „visible and unverifiable” — that is, the inmate could not see the inspector, only the looming tower: he would never know when he was actually under surveillance. This uncertainty, along with the inmate’s isolation and loss of privacy, is the means of his compliance and subordination. Uncertainty becomes the principle of his own subjection. It assures that, in Foucault words: “surveillance is permanent in its effects, even if discontinuous in its action”. And thus Foucault draws our attention to our own very modern condition, locked within: “a state of conscious and permanent visibility that assures the automatic functioning of power”. In retrospect, Bentham’s social reform is recognized for its modern characteristics, achieved through an unprecedented kind of social control, an institutional architecture that provided for an efficient technology of coercive and punitive surveillance. It was a clean, rational, instrumental architecture whose internal mechanisms constructed physical preconditions of asymmetric power relations. Foucault refers to the Panopticon as a “pure figure of political technology”. And so it remains.

Ever-more subtle and sophisticated Panoptic mechanisms continue to reduce the individual’s privacy and integrity. Panopticism continues to limit the space in which civil liberties can be freely deployed. In the face of manipulative technologies, inventive reverse-engineering strategies are necessarily distributed, multiple, simultaneous, hybrid, interdisciplinary, opportunistic. We recall the dazzling efficacy of Ariadne’s fragile silk thread in the face of the Minotaur’s brutality. Last night, panelists reviewing the challenges to civil liberties wrought by SDMI and DMCA underscored the need for resistance through collaborations that reach across disciplinary boundaries and specializations. Institutional and disciplinary isolation — and preaching to the choir — constitute a prison of their own. Unexpected collaborations can offer productive strategies, and it is hoped that Cryptome and Cartome libraries offer useful tools towards the conceptualization of such novel strategies.

This multi-layered, hybrid approach has characterized Cartome’s recent analysis of the Jim Bell case, which explores unexamined terrain surrounding the case, including Homeland Defense, the new national security policy which is ushering in a troubling and unprecedented era of militarization of the domestic, civilian landscape: “So say goodnight to Joshua…Homeland Defense and the Prosecution of Jim Bell“. Be forewarned, if you are a rabblerousing C-punk, your home address has recently been programmed into precision targeting GIS.

At the far terminus of the medieval Via Francigena’s pilgrimage route, “Jerusalem SKY” (scheduled for online publication, Fall 2001) investigates conflict resolution through dual-use technologies — reconciling hardware and software developed in the context of national security with bird migrations that make the skies of the region one of the world’s premier long-distance migratory flyways, linking Europe, Asia, and Africa — with important implications for the military doctrine of „total air supremacy“. Intriguing conflict resolution strategies have been forced by the reality of avian biogeography and the effects of catastrophic birdstrikes, in which an F-15 worth $45million, along with pilot and navigator, can be brought down like a stone by a migrant stork. Around 170 military aircraft in Europe and Middle East have been destroyed in such birdstrike collisions.

“Jerusalem SKY” continues research initiated with „Parallel Atlas“, a digital cartographic project that explores the Cold War’s last remaining monument and world’s most fortified corridor, the Korean Demilitarized Zone, whose role as a national security landscape has been redefined since the Korean War by its transformation into a unique ecosystem harboring some of Northeast Asia’s most endangered species of endemic and migratory fauna and flora.

Cartome’s interest in hybridity, in the multiple and simultaneous layering of inclusive datasets — including the cartographic superimposition of biogeographic data onto national security landscapes — is reminiscent of the lesson of San Gimignano, whose security firewall of massive masonry towers did little to address a microscopic biological agent.

As always, Cartome, like Cryptome, looks forward to supporting our readers, and is pleased to provide a forum for your submissions — whether papers, maps, charts or hyperlinks.

And now let me turn you over to John Young, who will take us through another portal.

Inverse Panopticon: Inverses Panoptikum – Netzkultur statt Big Brother, Medienphilosophie