Filmkritik: Michael Moores „Fahrenheit 11/9“

Donald Trump als neuer Hitler: Michael Moores "Fahrenheit 11/9"
Michael Moore kämpft gegen vergiftetes Trinkwasser nach Privatisierung der Wasserwerke von Flint (Michigan, USA) Bild: © Midwestern Films LLC

Michael Moore lässt keine Möglichkeit aus, in US-Wahlkämpfe einzugreifen: Rechtzeitig zur Kongresswahl 2017 brachte er einen neuen Trump-Film auf die Leinwand, dessen Kinoplakate Trump zwar „Tyrann, Lügner und Rassist“ nannten, der aber auch Obama kritisierte -unterm Strich aber dennoch Wahlwerbung für die Demokraten. Filmkritik von Thomas Barth

Beim deutschen Kinopublikum könnte Fahrenheit 11/9 damit anecken, dass Donald Trump dort sehr direkt mit Adolf Hitler verglichen wird. Aber  vielleicht sind die Zeiten auch vorbei, wo man bei solchen Vergleichen eine Verharmlosung der Nazi-Diktatur befürchtete. Zu viele Hitlers aus Serbien, Nahost bis Nordkorea wurden uns inzwischen von unseren Mainstream-Medien präsentiert. Neu ist allerdings, dass einer davon in Washington regieren soll. Doch dies ist nur der Höhepunkt der satirisch-unterhaltsamen bis ernsthaft-bitteren Kritik Michael Moores an Trump, seinen Republikanern und dem ganzen Establishment der USA -einschließlich Obama.

In gewohnt gekonnter Manier montiert Moore Trump-Bilder aus Interviews, TV-Debatten und Talkshows mit diversem Archivmaterial. Sein Ziel dabei: Den US-Präsidenten als Egomanen, Sexisten und Rassisten zu entlarven sowie nebenbei seine dubiosen Immobilien-Geschäfte, seine Beziehung zu Putin (die den Clinton-nahen US-Medienmainstream  am meisten zu stören scheint) und generell seine Lächerlichkeit bloßzustellen. Dabei fällt auf, dass Moore, der in seinen Filmen meist nicht dazu neigt, sich selbst bescheiden im Hintergrund zu halten, diesmal vergleichsweise zurückhaltend auftritt.

Neoliberales Elend der USA

Neben der Aufregung um einen untragbaren Skandal-Präsidenten und den Gefahren für die Demokratie kommen die alltäglich gewordenen Übel neoliberaler Politik in den Fokus: Von unterbezahlten Lehrern, die Zweitjobs brauchen, um ihre Miete zahlen zu können, über Amokschützen und den Kampf gegen die Waffenlobby bis zur Wasserprivatisierung, die in Bleivergiftung bei Kindern armer, oft schwarzer Bevölkerungsgruppen der USA mündet.

Mit seinem äußerst erfolgreichen Film „Fahrenheit 9/11“ nahm Moore 2004 den US-Präsidenten George W. Bush aufs Korn. In „Fahrenheit 11/9“ knüpft er hier an, aber Ziel ist diesmal US-Präsident Donald J. Trump, gewählt am Zahlendreher-Datum 11/9/2016. Als humorigen Einstieg ins Thema erklärt Moore die Demokratie der USA zum Opfer eines Werbegags im Showbusiness.

Die aktuelle Misere der führenden westlichen Demokratie beginnt demnach so: Der nicht zur Bescheidenheit neigende Star der NBC-Show „The Apprentice“ (Trump) erfährt, dass NBC-Star Gwen Stefani mit ihrer Talent-Show „The Voices“ eine höhere Gage bekommt als er. Wutentbrannt will Trump beweisen, dass er populärer ist als die Sängerin und erklärt – nur so als Gag – seine Kandidatur für das Präsidentenamt.

Aber dann geschieht das Unvorhersehbare: Showmaster Trump, der sonst Lehrlings-Kandidaten als Big Boss im Fernsehen herumschubsen darf, schlägt in den Vorwahlen einen Präsidentschafts-Kandidaten der Republikaner nach dem anderen aus dem Feld, angefangen bei Bush-Vetter Jeb Bush. Trump kandidiert tatsächlich und dann geschieht das wirklich Unfassbare: Trump schlägt auch noch die von allen als Favoritin gehandelte Hillary. Statt Ex-First Lady Clinton oder Vetter Bush sitzt nun ein fetter Milliardär im Weißen Haus, der dorthin doch gar keine familiären Beziehungen hatte.

Mit Trumps familiären Beziehungen macht Michael Moore dann weiter: Auf Szenen, die Trump als übergriffigen Egoisten beschreiben, folgen Bilder, die ihn beim ziemlich übergriffig wirkenden Befingern seiner bildschönen Tochter Ivanka zeigen. Mit dieser vermutlich ziemlich unfairen Verdächtigung liegt Moore im Trend der #metoo-Debatten in den USA, bei der man wohl nicht jede Bezichtigung männlicher Verfehlungen glauben darf. Aber sex sells und gegen Trump ist anderen ja auch jedes Mittel recht. „Er hat seine Verbrechen vor den Augen der Öffentlichkeit begangen“, kommentiert Moore. Sein Fazit: Man fühlt sich etwas unbehaglich bei diesem Präsidenten.

Wasserwerk privatisiert -Kinder vergiftet

Einen Fokus legt Michael Moore auf seine Heimatstadt Flint (Michigan) im „Rustbelt“, dem verarmten Industriegürtel der USA, wo die einst stolzen Stahl- und Auto-Metropolen Rost angesetzt haben -und Trump bei verelendeten weißen Arbeitern Wahlerfolge feierte. Doch Moore setzt hier seine Kritik grundsätzlicher an: 2014 wurde Flint Opfer einer besonders absurden Wasser-Privatisierung unter Michigans Gouverneur Rick Snyder, wie Trump ein Multimillionär.

Obwohl dort mit den Großen Seen das bedeutendste Trinkwasser-Reservoire Amerikas direkt vor der Tür liegt, erhalten die Menschen verseuchtes Flusswasser aus der Industriekloake Flint River. Nach einer Privatisierung der Wasserwerke konnte der neue Betreiber so ein paar Cent mehr Profit machen. Folge: Bleivergiftungen vor allem bei Kindern, dauerhafte geistige Behinderungen drohen. Politiker und Gesundheitsbehörden wussten Bescheid, aber durften offenbar nichts dagegen tun. Moore interviewt April Cook-Hawkins, die im Dienst des Gesundheitsamtes Flint medizinische Messwerte des Bleigehalts im Blut von Kindern fälschen sollte. Als die Whistleblowerin dies publik machte, wurde sie gefeuert.

Als die überwiegend schwarze Bevölkerung der von verseuchtem Wasser betroffenen Gebiete sich hilfesuchend an „ihren“ schwarzen Präsidenten Obama wandte, fiel ihnen dieser in den Rücken. Obama stellte sich hinter die lokalen Behörden, lobte das Flint-Wasser mit gewinnendem Lächeln als gesund und tat TV-wirksam so, als würde er einen Schluck aus einem Glas davon nehmen. In den von Moore gezeigten Bildern sieht man jedoch deutlich, dass Obama nur am Glasrand nippt. „Als er kam, war er mein Präsident. Als er fuhr, war Obama das nicht mehr“, lässt Moore eine schwarze Aktivistin die Szene kommentieren.

Moore hat Obama, den von Konservativen als „links“ bewerteten US-Präsidenten, kalt erwischt. Damit hat er zumindest in einem Fall die ihm oft vorgeworfene plumpe Einseitigkeit widerlegt: Die Springer-Zeitung Die Welt wetterte anlässlich des neuen Films gegen Michael Moore:

Dieser Regisseur ist ein Ideologe von der eher plumpen Sorte. Seine Dokumentarfilme dokumentieren nichts: Es handelt sich um Propaganda. Moore neigt zu dämlichen Verschwörungstheorien. Für ihn sind immer und ausnahmslos die bösen Kapitalisten beziehungsweise die Rechten an allem schuld. Dass auch Linke zu enormen Schuftigkeiten imstande sind, wird von ihm nicht einmal geleugnet – es kommt schlicht nicht vor. (…) Am Ende hätte Moore sich… belehren lassen können, dass die europäischen Varianten des Faschismus ökonomisch allesamt links waren und dass Antikapitalismus ziemlich häufig nach hinten losgeht. Vielleicht wird Moore ja im nächsten Film darüber reden. Wenn es bis dahin nicht zu spät ist. Die Welt

Die WELT vergisst hier, dass die für sie angeblich „linksorientierten“ Faschismen Europas (von Hitler bis Mussolini) allesamt harmonisch mit den Großkapitalisten (also den Leuten, von deren Annoncen die WELT lebt) ihrer Zeit kooperierten und von ihnen, genau so wie die WELT, zu großen Teilen auch finanziert wurden. Der deutsche „Nationalsozialismus“ wurde z.B. ja nicht nur von Krupp, Hugenberg & Co. gesponsert, sondern sogar aus den Kapitalistenkreisen der USA, wo etwa Henry Ford dafür einen Hakenkreuz-Orden bekam und IBM Hitlers Holocaust logistisch unterstützte. Einseitig ist hier nur der WELT-Schreiber, nicht aber Michael Moore. Denn der beklagt scheuklappenfrei, dass Obama sich genauso kaufen ließ wie das ganze Partei-Establishment der Demokraten („niemand nahm mehr Spenden von Goldman Sachs an als er“). Aber schon unter Bill Clinton sei die Partei neoliberal geworden, warb für Freihandel, deregulierte Banken und reduzierte den Sozialstaat.

Moore zeigt einen Lehrer-Streik in West Virginia, wo wochenlang für eine menschenwürdige Krankenversicherung gekämpft wurde. Man wollte den Pädagogen stattdessen ein Fitness-Armband verpassen, dass ihre tägliche Bemühung um körperliche Selbstoptimierung überwacht. Der Streik weitete sich aus und die Lehrer kämpften auch für fairen Lohn, der wenigstens über dem Armutsniveau liegt. Viele staatliche Lehrer müssen in den USA einen Zweitjob ausüben, um ihre Miete zahlen zu können. Nur reiche Leute können ihren Kindern eine gute Schulbildung ermöglichen – in teuren Privatschulen. Beide herrschende Parteien vertreten meist die Interessen einer wohlhabenden Geldelite, auch die als vergleichsweise „links“ geltenden Demokraten.

Die Führungsriege der Demokratenpartei würde lieber mit den Republikanern gemeinsam eine Politik für die Reichen und die Unternehmen durchsetzen. Doch dies muss nicht ewig so weitergehen: Moore präsentiert Umfragen, die zeigen, dass die US-Bevölkerung eigentlich mehrheitlich linksliberal, wenn nicht sozialistisch denken würde. Moore zeigt eine neue Generation von linken Politikerinnen der Demokratenpartei, etwa Alexandria Ocasio-Cortez aus dem New Yorker Schwarzenghetto Bronx oder Rashida Thaib aus Michigan, die schon bald als erste Muslima im Repräsentantenhaus sitzen wird.

Lobenswert: Das alles schafft Moore, ohne den Demokraten allzu deutlich ein „Ich hab‘s euch ja gesagt“ unter die Nase zu reiben – obwohl er ihnen tatsächlich vor der Wahl gesagt hatte, dass sie mit ihrem neoliberalen Clinton-Establishment den Rustbelt (Rostgürtel) und damit die Wahl an Trump verlieren würden. Vielleicht geben einige Angehörige der demokratischen US-Eliten künftig weniger Geld für teure Berater, Medienleute und Experten aus, die allesamt den Wahlsieg von Hillary Clinton für sicher erklärt hatten, und schauen sich lieber den neuen Moore-Film an. Der Britische Guardian immerhin gab ihm zu Recht 4 von 5 Sternen.

Eine leicht gekürzte Fassung erschien am 17.1.2019 auf Telepolis unter dem Titel: Donald Trump als neuer Hitler: Michael Moores „Fahrenheit 11/9“

Google-Kritik aus Havard Business School – Shoshana Zuboff: Überwachungskapitalismus

Shoshana Zuboffs Arbeiten zum Überwachungskapitalismus bieten eine gute Ergänzung des hier vertretenen Konzeptes vom Inversen Panoptismus, weil sie die Überwachungskultur von ihrer ökonomischen Seite her analysieren: Kritisch, aber dank ihrer Herkunft aus der HBS (Havard Business School) in der Sprache der herrschenden Machteliten der westlichen Wirtschaftswelt. Über Zuboffs enge Beziehung mit dem FAZ-Herausgeber und Netzfirmen-Kritiker Frank Schirrmacher haben Zuboffs Thesen den deutschen Sprachraum schneller erreicht als den angelsächsischen (sicher auch, weil Technikkritik bei uns traditionell stärker vertreten ist). Ende 2018 erschien ihr Buch dazu zuerst auf Deutsch (!), Januar 2019 die am. Ausgabe. Mehr zum Buch, zu Zuboff und ihren FAZ-Artikeln hier:

Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Verlagstext:

Das Zeitalter des ÜberwachungskapitalismusGegen den Big-Other-Kapitalismus ist Big Brother harmlos

Die Menschheit steht am Scheideweg, sagt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Bekommt die Politik die wachsende Macht der High-Tech-Giganten in den Griff? Oder überlassen wir uns der verborgenen Logik des Überwachungskapitalismus? Wie reagieren wir auf die neuen Methoden der Verhaltensauswertung und -manipulation, die unsere Autonomie bedrohen? Akzeptieren wir die neuen Formen sozialer Ungleichheit? Ist Widerstand ohnehin zwecklos?

Zuboff bewertet die soziale, politische, ökonomische und technologische Bedeutung der großen Veränderung, die wir erleben. Sie zeichnet ein unmissverständliches Bild der neuen Märkte, auf denen Menschen nur noch Quelle eines kostenlosen Rohstoffs sind – Lieferanten von Verhaltensdaten. Noch haben wir es in der Hand, wie das nächste Kapitel des Kapitalismus aussehen wird. Meistern wir das Digitale oder sind wir seine Sklaven? Es ist unsere Entscheidung!

Shoshana Zuboff war 1981 eine der ersten Frauen, die an der Harvard Business School einen Lehrstuhl bekamen. Bereits 1988 schrieb sie den Best- und Longseller „In the Age of the Smart Machine“, in dem sie als Sozialwissenschaftlerin und Ökonomin die technologischen Entwicklungen und daraus resultierenden Kontrollmechanismen vorhersagte. Mit dem Begriff „Dark Google“ prägte sie 2014 maßgeblich die Debatte um die digitale Zukunft und Big Data. Das Magazin strategy+business bezeichnet sie als eine der elf originellsten Wirtschaftsdenkerinnen und -denker der Welt. Shoshana Zuboff lebt in Maine (USA).

FAZ-Artikel: Dark Google (30.4.2014)

Dt.Fassung:  Die Google-Gefahr : Schürfrechte am Leben

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir erleben das Entstehen absoluter Macht. Die Internet-Giganten, Google an der Spitze, übertragen ihre radikale Politik vom Cyberspace auf die reale Welt. Sie werden ihr Geld damit verdienen, dass sie die Realität kennen, kontrollieren und in kleinste Stücke schneiden. (…)

Zuboff griff in diesem FAZ-Artikel Eric Schmidt direkt an:

„Eric Schmidts Artikel in der F.A.Z., der in Wahrheit ein Sendschreiben an die Europäer ist, zeigt Anzeichen solch eines Absolutismus. Demokratische Kontrolle wird als „plumpe Regulierung“ abgetan. Die Ausdrücke „Internet“, „Web“ und „Google“ werden verwendet, als wären sie austauschbar und als stünden die Interessen von Google für das gesamte Web und das Internet. Das ist ein Taschenspielertrick, der von den wirklichen Problemen ablenken soll. Schmidt warnt, wenn die EU den Praktiken von Google entgegentrete, könne daraus „ein schwerer Rückschlag für die Innovationskraft in Europa“ resultieren. Genau das Gegenteil dürfte zutreffen. Gerade wegen Googles genialer Fähigkeiten in der Wissenschaft der Überwachung, wegen der Unverfrorenheit, mit der das Unternehmen die Nutzer enteignet und sich deren Datenschutzrechte selbst aneignet, und wegen des aggressiven Vorgehens der NSA verlieren die Menschen das Vertrauen in das gesamte digitale Medium. Und erst dieser Vertrauensverlust droht die Innovation abzuwürgen.“ (…)

-Ein etwas weitscheifig-feuilletonistischer Text, aber durchaus lesenswert! Zuboff widmet ihr Buch auch ihrem verstorbenen Freund Frank Schirrmacher.

„Die Gesellschaft ist immer mehr zu einem Objekt geworden, das in Verhaltensdaten transformiert wird, um kontrollieren und verändern zu können“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff. Ihr zufolge leben wir in einem „Zeitalter des Überwachungskapitalismus“, der sich vor allem in der Datensammelwut von Digitalkonzernen wie Google, Amazon oder Facebook widerspiegelt. Und der einerseits etwas vollkommen Neues ist, andererseits der klassischen Dynamik des Kapitalismus folgt: „Man geht schon länger davon aus, dass Kapitalismus sich entwickelt, indem Anspruch auf Dinge erhoben wird, die bisher immer außerhalb des Marktes existiert haben, und diese Dinge dann in den Markt integriert und zu Ware erklärt werden, die gekauft und verkauft werden können“, sagt Zuboff unter Verweis auf Karl Polanyis wirtschaftshistorischen Klassiker „The Great Transformation“ von 1944. (…) DLF zu Zuboff

FAZ-Artikel von Shoshana Zuboff, DLF, HIIG (Google Institut)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/unsere-zukunft-mit-big-data-lasst-euch-nicht-enteignen-13152809.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-strategie-von-google-und-facebook-ueberwachen-und-verkaufen-15802775.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/shoshana-zuboff-googles-ueberwachungskapitalismus-14101816.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-google-gefahr-zuboff-antwortet-doepfner-12916606.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/shoshana-zuboff-das-zeitalter-des-ueberwachungskapitalismus.950.de.html?dram%3Aarticle_id=429944

https://www.hiig.de/en/events/shoshana-zuboff-surveillance-capitalism-and-democracy/

Zuboff Video Triangulation 380

Triangulation 380: The Age of Surveillance Capitalism (interview)
Jan 11th 2019      Hosted by Leo Laporte 
Shoshana Zuboff, author of ‚The Age of Surveillance Capitalism‘

 

The Guardian, James Bridle: The Age of Surveillance Capitalism by Shoshana Zuboff review – we are the pawns

Tech companies want to control every aspect of what we do, for profit. A bold, important book identifies our new era of capitalism

The litany of appropriated experiences is repeated so often and so extensively that we become numb, forgetting that this is not some dystopian imagining of the future, but the present.  Originally intent on organising all human knowledge, Google ended up controlling all access to it; we do the searching, and are searched in turn. Setting out merely to connect us, Facebook found itself in possession of our deepest secrets. And in seeking to survive commercially beyond their initial goals, these companies realised they were sitting on a new kind of asset: our “behavioural surplus”, the totality of information about our every thought, word and deed, which could be traded for profit in new markets based on predicting our every need – or producing it. (…)

Fazit: The work begins in demolishing the framework of this world order, but it continues in the establishment and enactment of new and better futures.

Full text: The Guardian Review Zuboff

wikipedia zu Zuboff (Auszüge)

She received her Ph.D. in social psychology from Harvard University and her B.A. in philosophy from the University of Chicago. Zuboff joined the Harvard Business School in 1981 where she became the Charles Edward Wilson Professor of Business Administration and one of the first tenured women on the Harvard Business School faculty. In 2014 and 2015 she was a Faculty Associate at the Berkman Center for Internet and Society at the Harvard Law School.

Zuboff’s new work explores a novel market form and a specific logic of capitalist accumulation that she named „surveillance capitalism“. She first presented her concept in a 2014 essay, „A Digital Declaration“, published in German and English in the Frankfurter Allgemeine Zeitung. Her followup 2015 scholarly article in the Journal of Information Technology titled „Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information Civilization“ received the International Conference on Information Systems Scholars‘ 2016 Best Paper Award.

Surveillance capitalism and its consequences for twenty-first century society are most fully theorized in her book, The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. Zuboff’s scholarship on surveillance capitalism as a „rogue mutation of capitalism“ has become a primary framework for understanding big data and the larger field of commercial surveillance that she describes as a „surveillance-based economic order“. She argues that neither privacy nor antitrust laws provide adequate protection from the unprecedented practices of surveillance capitalism. Zuboff describes surveillance capitalism as an economic and social logic. Her book originates the concept of ‚instrumentarian power‘, in contrast to totalitarian power. Instrumentarian power is a consequence of surveillance capitalist operations that threaten individual autonomy and democracy.

Many issues that plague contemporary society including the assault on privacy and the so-called ‚privacy paradox‘, behavioral targeting, fake news, ubiquitous tracking, legislative and regulatory failure, algorithmic governance, social media addiction, abrogation of human rights, democratic destabilization, and more are reinterpreted and explained through the lens of surveillance capitalism’s economic and social imperatives.

Von Shoshana Zuboff’s Homepage:

Shoshana Zuboff joined the Harvard Business School faculty in 1981. One of the first tenured women at the school, she was the Charles Edward Wilson Professor of Business Administration. In 2014 and 2015 she was a Faculty Associate at the Berkman Center for Internet and Society at Harvard Law School. Her career has been devoted to the study of the rise of the digital, its individual, organizational, and social consequences, and its relationship to the history and future of capitalism. She also founded and led the executive education program, Odyssey: School for the Second Half of Life.

NEW WORK

Shoshana Zuboff’s latest book is The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. This new work integrates Zuboff’s lifelong themes: the historical emergence of psychological individuality, the conditions for human development, the digital revolution, and the evolution of capitalism. It begins with the oldest questions: home or exile? master or slave? It explores the emergence of surveillance capitalism as the dominant form of information capitalism and its implications for individuals, society, and democracy in the twenty-first century.

Shoshana Zuboff’s essay “Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information Civilization,” which appeared in the March 2015 special issue of the Journal of Information Technology, was the recipient of the International Conference on Information Systems Senior Scholars’ 2016 Best Paper Award. Zuboff’s study of surveillance capitalism builds on her  earlier work in, The Support Economy: Why Corporations Are Failing Individuals and the Next Episode of Capitalism (Penguin, 2002), co-authored with Jim Maxmin and In the Age of the Smart Machine: The Future of Work and Power (Basic Books, 1988).

THE SUPPORT ECONOMY

Long before the economic crisis of 2007-2008, this far-reaching multi-disciplinary effort integrated history, sociology, management, and economics to explain why today’s business models have reached the limits of their adaptive range:   “People have changed more than the commercial organizations upon which they depend…In the chasm that now separates individuals and organizations lie the keys to a new economic order with vast potential for wealth creation and individual fulfillment.  The marketplace of a support economy and the associated possibilities of a new distributed capitalism are emerging from the outrage, disappointments, frustrations, and all too frequent humiliations to which today’s new individuals are subjected at the hands of the old organizations.”

The Support Economy has been praised and translated around the world.  It was selected by strategy+business as one of the top ten business books of 2003 and ranked number one in the “Values” category. BusinessWeek named it the “number one idea” in its special issue on “Twenty Five Ideas for a Changing World”. Inc. magazine described The Support Economy as “the new new thing” in its special anniversary issue on entrepreneurship.  The book has also been featured in dozens of other magazines and newspapers including The Economist, Fast Company, The Financial Times, The Times of London, The Boston Globe, The Washington Post and Across the Board (The Conference Board) as well as in major publications in Germany, Italy, India, China, Brazil, Finland, Croatia, Japan, Canada, and South Korea.

In 2006, strategy+business named Shoshana among the eleven most original business thinkers in the world.  She was featured in 2004 as a “Creative Mind” in strategy+business, described as “a maverick management guru…one of the sharpest most unorthodox thinkers today.”

IN THE AGE OF THE SMART MACHINE

Author of the celebrated classic In the Age of the Smart Machine: The Future of Work and Power (1988), Shoshana has been called “the true prophet of the information age”.  In the Age of the Smart Machine won instant critical acclaim in both the academic and trade press—including the front page review in the New York Times Book Review– and has long been considered the definitive study of information technology in the workplace.

In the Age of the Smart Machine is the source of many concepts that have become widely integrated into the understanding of information technologies and their consequences. These include the abstraction of work associated with information technology and its related skill demands; that information technology can pave the way for more fluid distributed work arrangements; the concept of the “information panopticon”; the duality of information technology as an informating and an automating technology; computer-mediated action; information as a challenge to command/control; the social construction of technology; the collaborative patterns of information work–to name but a few.

A scholarly article by Andrew Burton-Jones reviews the continuing impact of In the Age of the Smart Machine on IT-oriented scholarship. He describes the book as “the most cited and celebrated in the whole of the IS field…” According to Finnish scholars Hanna Timonen and Kaija-Stiina Paloheimo’s 2008 analysis of the emergence and diffusion of the concept of knowledge work, In the Age of the Smart Machine is one of three late twentieth century books, including Peter Drucker’s In the Age of Discontinuity and Daniel Bell’s The Coming of Post-Industrial Society, that are responsible for the diffusion of the concept of “knowledge work.”

According to London School of Economics Professor Jannis Kallinikos’s analysis in “Smart Machines,” written on the occasion of the book’s twentieth anniversary for The Encyclopedia of Software Engineering, In the Age of the Smart Machine is “a profound study of the work implications associated with the extensive involvement of information technology in organizations. The book rapidly gained recognition across a wide spectrum of social science disciplines, including management and organization studies, information systems, social psychology, and sociology, and has been debated and quoted extensively. Twenty years may seem an awfully long time in this age of speed and rapid technological change. But, the Smart Machine, as perhaps every great work, holds out remarkably…One could indeed go as far as to claim that in some respects the book is even more relevant and timely today than it was at the time of its publication.”

OTHER WORK

Shoshana Zuboff has also been a frequent contributor to the Frankfurter Allgemeine Zeitung. Recent essays include “The Secrets of Surveillance Capitalism,” March 2016; “Disruption’s Tragic Flaw,” February 2015;  “The Digital Declaration,” September 2014; “The Digital Economy: Human Factors,” July 2014;  “Dark Google,”  April 2014;  “The New Weapons of Mass Detection,” February 2014; “Obama, Merkel, and the Bridge to an Information Civilization,” January 2014; and “Be the Friction: Our Response to the New Lords of the Ring,” June 2013.

From 2003 to 2005,  Shoshana shared her ideas on the future of business and society in her popular monthly column “Evolving”, in the magazine Fast Company.  From 2007 through 2009 she was a featured columnist for BusinessWeek.com. Her work has been showcased on CNBC, Reuters International, and the Today Show as well as in the BrandEins, Fortune, Inc., Business Week, U.S. News & World Report, CIO, The New York Times, The Financial Times, and many other news outlets. She has been heard on over 200 radio shows, including top coverage on NPR’s Marketplace, TechNation, Sound Money, Morning Edition, BBC, and the BBC World Service.