Archiv der Kategorie: Allgemein

Was ist dran an Verschwörungstheorien, Fakenews und Propaganda?

Thomas Barth CIA_floor_seal

Spektakuläre Enthüllungen im Internet (Wikileaks, Snowden) haben unseren Einblick in Militär und Geheimdienste erweitert. Propaganda und Gegenpropaganda waren etwa im Medienkrieg um den Ukraine-Konflikt kaum noch zu unterscheiden (Abschuss von MH17, Putins Netztrolle, Rechter Sektor). In der Politik schaffen neue PR-Agenturen mit ihren Internet-Bots als „Friend Faker“ gegen Bezahlung den Anschein von Popularität.

Aktuell sind die Leaks von E-Mails aus der Parteizentrale von Hillary Clinton in aller Munde -sie sollen von russischen Hackern im Auftrag Putins erfolgt sein. Clintons Gegner Trump wurde deshalb als „Marionette Putins“ bezeichnet. Fakenews? Putin soll mit seinen Trollen in die US-Wahlen eingegriffen haben -so tobt ein Medienkrieg mit harten Bandagen. Die EU gründet eine Institution zur Gegenpropaganda, die Bundeswehr rüstet sich für den Cyberwar im Internet. Psychologische Kriegsführung trifft sich mit Cyberwarfare und NSA-Überwachung im Internet.

Parallel dazu machen sich meist unbemerkt neue Formen der Kriegsführung breit. Ob der Drohnenkrieg in Pakistan und Jemen, der Rückzug aus dem Irak oder der blutige „Regime Change“ in der Ukraine –überall finden sich neue Formen von militärischer Intervention. Neue Internetmedien wie The Intercept des Snowden-Enthüllers Glenn Greenwald und des US-Journalisten Jeremy Scahill (Doku: Schmutzige Kriege) liefern heute mehr Information darüber als traditionelle Medien. „Gezielte Tötungen“ aus der Ferne mittels Drohnen haben sich unter Obama vervielfacht; Söldnerfirmen wie Blackwater kommen immer öfter zum Einsatz, sind in Korruption verstrickt und operieren oft außerhalb von Recht, Völkerrecht und Menschenrechten.

Aktuelle Bildungsangebote der Volkshochschule Hamburg zu diesen Themen:

„Asymmetrische“ oder „schmutzige“ Kriege? Drohnenkrieg und Söldnerarmeen

Kurzreihe: Die neuen Kriege im 21. Jahrhundert, Teil 2

Ob der Drohnenkrieg in Pakistan und Jemen, der Rückzug aus dem Irak oder der „Regime Change“ in der Ukraine –überall finden sich neue Formen von Kriegsführung. Neue Internetmedien wie TheIntercept des Snowden-Enthüllers Greenwald liefern heute mehr Information darüber als traditionelle Medien. „Gezielte Tötungen“ aus der Ferne mittels Drohnen haben sich unter Obama vervielfacht; Söldnerfirmen wie Blackwater kommen immer öfter zum Einsatz, sind in Korruption verstrickt und operieren oft außerhalb von Recht, Völkerrecht und Menschenrechten. Das Seminarangebot soll Wissenslücken schließen, die in den Medien oft unerwähnt bleiben, und Raum für Diskussionen bieten.

Workshop f. 10 – 20 Teilnehmende
Buchen unter Kursnummer: 3251NNN06
25.Feb.2017, Sa. 12-15.15Uhr, 4 UStd., 12,-Euro  (ermäßigt 6,-)
Thomas Barth, Hamburg, Poppenhusenstr.12, VHS-Zentrum Nord

Medienkriege: Cyberwar und Propaganda

Kurzreihe: Die neuen Kriege im 21. Jahrhundert, Teil 1wlogo-sm

Spektakuläre Enthüllungen im Internet (Wikileaks, Snowden) haben unseren Einblick in Militär und Geheimdienste erweitert. Propaganda und Gegenpropaganda sind etwa im Medienkrieg um den Ukraine-Konflikt kaum noch zu unterscheiden (Abschuss von MH17, Putins Netztrolle, Rechter Sektor). Die EU gründet eine Institution zur Gegenpropaganda, die Bundeswehr rüstet sich für den Cyberwar im Internet. Psychologische Kriegsführung trifft sich mit Cyberwarfare und NSA-Überwachung im Internet. Das Seminarangebot soll Wissenslücken schließen, die in den Medien oft unerwähnt bleiben, und Raum für Diskussionen bieten.

Workshop f. 10 – 20 Teilnehmende
Wegen Teilnehmermangel abgesagt
18.Feb.2017, Sa. 12-15.15Uhr, 4 UStd., 12,-Euro  (ermäßigt 6,-)
Thomas Barth, Hamburg, Poppenhusenstr.12, VHS-Zentrum Nord

Was ist dran an Verschwörungstheorien?

Viele klassische und neue Verschwörungstheorien sind heute im Internet präsent: von Freimaurern und Illuminaten BtmBookbis zu den Bilderbergern und modernen Mythen. Wie können wir ihre Herkunft, Wirkung und Wahrheitsgehalt aus historischer, politischer und psychologischer Sicht bewerten? Das Seminar soll auch wissenschaftliche Ansätze behandeln und Raum für Diskussionen bieten.
10 – 20 Teilnehmende
Do. 19:30 – 21:45 08.09.16 – 29.09.2016 , 4 Termine, 12 UStd.
Thomas Barth VHS-Zentrum Nord
Poppenhusenstraße 12, Hamburg

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Lepra und Eichhörnchen im Reich von König Artus

Britische Forscher fanden Lepra-Bakterien in Nagetieren sciurus-vulgaris

Thomas Barth

Die Briten lieben ihre Legenden, neben Robin Hood vor allem die Sage von König Artus, der einst Großbritannien unter seinem Banner einte. Eine moderne tiermedizinische Legende besagte, dass die sich auf der Insel ausbreitenden grauen Eichhörnchen ihre traditionell rotbepelzten Verwandten mit einer tödlichen Seuche infiziert und so verdrängt haben: Dem Parapoxvirus.

Jetzt zeigte eine neue veterinärmedizinische Untersuchung, dass die Rotpelze schon von je her, womöglich schon seit König Artus‘ Zeiten, Träger eines auch für Menschen ansteckenden Keimes sind: Der Lepra, auch als Aussatz bekannt.

„Wir sollten mehr in Sorge um die Eichhörnchen sein als Angst vor ihnen zu haben“, gab Studien-Mitautorin Prof. Anna Meredith, University of Edinburgh, dem Guardian Entwarnung, „Wir haben festgestellt, dass Lepra bei Eichhörnchen in ganz Großbritannien und Irland weit verbreitet ist, aber wir wollen die Menschen damit nicht beunruhigen. Die Lepra grassiert unter den Tieren schon seit langer Zeit und seit Hunderten von Jahren gab es keine menschlichen Fälle mehr.“

Die Lepra-Studie fand seit 2009 auf Brownsea Island statt, einem beliebten Tourismusziel vor der Südküste Englands. Das Eiland, das in zwei Stunden umwandert werden kann, gilt nicht nur als Naturschutzgebiet und Pfadfinder-Paradies, sondern auch als Refugium der roten Eichhörnchen. In England wurden die roten Nager sonst großflächig von einer grauen Variante verdrängt, die nicht von Lepra-Bakterien befallen ist.

Ein möglicher Amtsnachfolger des legendären König Artus, Kronprinz Charles, verkündete vor zwei Jahren, auf seinen Landgütern die amerikanischen Einwanderer keulen zu lassen. Er wollte die graue Eichhörnchenplage zugunsten der traditionellen roten Nager bekämpfen. Prinz Charles ist auch Schirmherr des Red Squirrel Survival Trust, einer Vereinigung, die sich den Kampf für die roten Eichhörnchen auf die Fahnen schrieb.

Das ganze mutet wie eine Satire an, ist aber wahr. Doch die Briten lieben neben Legenden deren Parodie und die bekannteste der Artus-Sage ist wohl Monty Pythons „Die Ritter der Kokosnuß“. Dort bekommen König Artus‘ Tafelritter es bei ihrer Suche nach dem Heiligen Gral mit einem tödlichen Nagetier zu tun: Ein blutrünstiges Kaninchen rafft die Edelmänner dahin. Näher an der heutigen Lepra-Krise ist eine Satire auf „Die Nebel von Avalon“, die aus keltischer Sicht erzählte Artus-Story. „Die Schnäbel von Avalon“ nahm die heutige Rede von einer Eichhörnchenplage vorweg: Dort tötet ein rotpelziger Nager einen Thronfolger und am Ende des satirischen Romans wird sogar das Auftauchen der ersten Grauhörnchen ins sechste Jahrhundert vorverlegt, in die mythische Zeit des Königs von Camelot.

Tatsächlich wurde das erste Paar grauer Eichhörnchen (Sciurus carolinensis) erst 1876 aus Amerika eingeführt und in der nordwestenglischen Grafschaft Cheshire ausgesetzt. Was anfangs als exotischer Import galt, ist nach mehr als 130 Jahre in den Augen vieler Briten zur Plage geworden, denn die grauen Eichhörnchen haben die einheimischen roten Vertreter fast vollständig verdrängt. In Schottland begann man daher vor sechs Jahren mit einer großangelegten Ausrottung der graupelzigen Neueinwanderer -vielleicht sieht man sie unter dem Aspekt ihrer Lepra-Resistenz heute mit etwas freundlicheren Augen.

Die Wissenschaftler vermuten, dass Lepra in der Vergangenheit vom Eichhörnchen auf den Menschen übertragen wurde, als deren Fleisch und Pelz noch begehrte Jagdbeute waren. Der letzte dokumentierte Fall von Lepra datiert auf das Jahr 1798 und die gefundenen Bakterien weisen große Ähnlichkeit mit solchen auf, die man in Knochen von Lepraopfern aus dem Jahr 1485 fand.

Eichhörnchen werden zahm, gelten als niedlich, können jedoch eichoernchengerade auf den Britischen Inseln auch aggressiv werden. Im letzten Juli wurde in Cornwall ein dreijähriger Knabe von Eichhörnchen attackiert, meldete der Guardian, und so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste. Glücklicherweise handelte es sich um die zwar kräftigeren, aber nicht leprösen Grauhörnchen.

Siehe auch:

Die Schnäbel von Avalon

Deborah Natsios: Reversing the Panopticon

Quelle: https://cryptome.org/cartome/reverse-panopticon.htm

Deborah Natsios, Cartome.org Panopticon1
 John Young, Cryptome.org

Deborah Natsios

Visiting a town as stocked with symbolic monuments as Washington DC is a reminder of very real and provocative linkages between persuasive political systems and the civil space and edifices they generate. Architects are taught to „read“ landscape code, and this is a town of emblematic war memorials and presidential temples loaded up with tantalizing national narratives based on fact, myth and propaganda — all of which are inextricably intertwined with theories of power and ideas about ’security‘, including national security, which are the concern of advanced computing systems specialists and this USENIX symposium.

As readers of Cryptome and Cartome may be aware, John Young and I are not systems architects, but practitioners of architecture of the steel, glass, bricks and mortar kind — and so, as ‚legacy‘ architects we tend to project the implications of new technologies and their constitutive politics beyond machine and source code, games and simulations — onto the so-called real spaces they enable: the social space of the street, the city, the national boundary, global space. Washington DC as a weaver of allegory and myth also reminds us of the ancient link between bricks-and-mortar architecture and the first lines of security and defense. The classical language that drapes many of DC’s federal edifices embraces a mythologic history which credits Daedelus as being the first architect. This attribution is especially intriguing because Daedelus was the guy who designed Crete’s pernicious Labyrinth, an early structure of defense and punishment configured, interestingly, as an algorithm of 3D encryption. The Labyrinth was policed by that infamous bully-of a-bull enforcer, the Minotaur. I like to think of the Minotaur as an early bovine ancestor of the MPAA, RIAA and BXA.

Recently, I’ve become somewhat less impressed by Daedelus’ feat of labyrinthine enciphered design, than the insurgent work of someone we may come to respect as a largely unheralded first reverse-engineer — Ariadne. Ariadne did something as brilliant as it was subversive: she provided the ball of fragile silk thread which allowed the captive Theseus to exploit and defeat both labyrinth and Minotaur. Ariadne’s subtle thread constructed an ethereal reverse pathway back out of the convoluted maze, allowing Theseus to escape to safety.

It appears that reverse-engineering continues to enjoy the ancient taboo status it established early on in Minoan culture, as USENIX attendees who heard the Felten team’s paper on the SDMI Challenge last night are only too aware. It’s work that’s being stripped of its fair-use designation, and being increasingly demonized, even criminalized by our latter-day Minotaurs.

„‘Reversing the Panopticon“ is the motif of John Young’s and my remarks today. They allude to Cryptome and, more recently Cryptome’s companion site, Cartome’s, modest ongoing project of reverse-engineering, metaphoric in our case, perhaps, and perhaps as vulnerable as silk thread, too — transacted under the assumption that information is power, involving efforts to reverse-engineer labyrinthine information architectures: encouraging a reversal of restricted one-way information flows, a reversal of one-way transparency, a reversal of the one-way power relation captured through the insidious one-way mirror.

I guess our work also falls within architectural design parameters framed by that notable institution, the library, and its open-source, First Amendment sanctuary. In our case it’s the construction of an archive of salient documents relating to technologies with unambiguous — as well as ambiguous — political repercussions, especially those that impact civil liberties — and in Cartome’s case, technologies that impact the space and landscapes in which civil liberties are deployed or suppressed, as the case may be.

Since the end of August signals our perennial duty to humor friends and family determined to share summer travel adventures, I hope you’ll forgive my imposing a not so dissimilar travelogue today, albeit one where summer peripateticism has been charted as much by Cryptome and Cartome’s interests as the ubiquitous Baedeker or Lonely Planet travel guides. The inquisitive global tourist may find something to track in Cartome’s small but growing collection of spatial / geographic documents that focus on the claims and/or deceptions proffered by state-sponsored imaging systems, particularly those produced in the context of the national security state — geographically informative systems such as government cartography, photography, photogrammetry, steganography, camouflage, maps, images, drawings, charts, diagrams.

In the spirit of such tourism, we found ourselves a few short weeks ago tracking what was once a highly politicized historic space, a Tuscan stretch of what had been a key medieval power infrastructure, the Via Francigena — the Frank’s Road or Road to France — the leading trade and pilgrimage route that linked the capitals of Europe with Rome, a route that, in its day, continued on to sacred Jerusalem.

Hooking up with the Via Francigena happened to bring the idea of the encrypted labyrinth back into view once again. It turns out that labyrinths were etched on the floors of medieval cathedrals as compacted representations of the pilgrimage to the Holy Land, anagrammatic emblems of the ineffable mysteries of the penitent’s extended itinerary. If you couldn’t book a spot on the latest crusade to the Levant, spiritual benefits awaited those willing to walk-the-walk in the privacy of their own home cathedrals.

But we weren’t dealing with pilgrimage codes out there under the hot summer sun — no scaled down, compressed, enciphered mapping of a mystical itinerary — but the Via Francigena itself, at a robustly full-scale of 1:1, as it unfolded in real time and space through the central Tuscan province of Siena, surrounded by fragmented relics of its medieval security apparatus.

At one significant node, our trajectory intersected San Gimignano, the photogenic hill-town whose wealth had derived from its strategic siting along the heavily trafficked network. Those of you who have visited San Gimignano will agree that despite its glut of tourists, it’s a place of architectural interest that more than does justice to its designation by UNESCO as a World Architectural Heritage Site. “San Gimignano delle belle Torri” or “San Gimignano of the beautiful towers” is famous for the impressive stone shafts, some rising almost 50m in height, that still dominate its skyline. 14 of the original 72 structures remain.

The dueling multiplicity of the fortified towers is a clue of the free commune form of government that represented an emerging burgher class grown wealthy in trade, banking and commodities, which had superseded feudal political models in the late 12th century. The multiplicity of towers was an emblem of the newly decentralized, distributed network of commercial interests. The towers broadcast the competitive streak of prominent local families, signifying their owners’ status in the political and commercial calculus allied with nearby Florence’s Guelph and Ghibelline factions.
In their day, San Gimignano’s 72 towers had multiple roles in service of the free commune, including surveillance and security. They were strategic optical devices serving their owners’ geospatial agenda, loci of observation that overlooked the built town and strategic panoramas of the Tuscan countryside beyond. Among key targets of inspection and intelligence-gathering: ongoing reconnoitering of the dynamic flows of goods and humanity that coursed along the crucial Via Francigena, thronged with medieval agents on the move: merchants, prelates, soldiers, and pilgrims. When conflicts erupted over control of the Via Francigena’s valuable commodity flows — including the saffron, wine and olive oil for which the hill-town was reknown — the towers became integral to the military apparatus, functioning as launching platforms from which offensive and defensive actions could be deployed.

But in the context of another kind of architecture, the kind of information technology and architecture being tracked by projects like Cryptome.org, Cartome.org, and this USENIX Symposium, San Gimignano is even more intriguing because of historical factors that unexpectedly place it along a timeline that charts the emergence of a more modern kind of politicized space and landscape than either the feudal domain or free commune. I’m referring to the technologies, spaces and landscapes that underpin what we affectionately refer to as our own contemporary surveillance state. Though San Gimignano’s towers were part of the security apparatus of intelligent observation and defense within the free commune environment, their spatial, social and political function can be distinguished from later architectures and technologies of surveillance and social control that would eventually render obsolete the towers’ massive masonry engineering.

The town’s links to precursors of modern theories of security and surveillance are both tragic and ironic, obliging us to go beyond the era of San Gimignano’s communal wealth and dominance. Instead, we linger on the portentous year 1348, because in 1348, developments in culture, politics and commerce came to a devastating, horrifying standstill, leaving the hill-town’s 72 towers shrouded in cataclysmic death.

The usual medieval scourges of fire, war, earthquake and damnation were not to blame. Instead, San Gimignano had been visited by an exotic agent that had made its way along the Via Francigena swiftly and with a vengeance. It was a tiny, unprepossessing creature, Xenopsylla cheopsis, the Oriental rat flea, bearing neither rich saffron nor opulent silk goods, but the bacterium Yersina pestis, which proceeded to decimate the city’s population, reducing it by ¾, a ruthless epidemiological catastrophe that probably originated in a distant trade partner, China. Notwithstanding the impressive security apparatus afforded by looming towers that had successfully policed the pilgrimage and trade route, The Black Plague proved to be a non-negotiable adversary. San Gimignano — like other powerful Tuscan cities, including nearby Siena — would never really recover from its effects.

In a seminal and controversial work of the late 1970’s “Discipline & Punish: The Birth of the Prison”, the late French philosopher Michel Foucault tracks the origins of modern institutions of discipline and social control, like the prison, and in a much-debated chapter titled “Panopticism” Foucault points out that by the late 17th century, efforts to combat recurring outbreaks of the Plague –such as had savaged San Gimignano and Europe in years following 1348 — would eventually lead to urban protocols and management technologies that unexpectedly provided a structural and administrative prototype associated with the modern surveillance state. Ironically, epidemiological controls would provide the blueprint of what Foucault called: „the utopia of the perfectly governed city“.
Let me summarize Foucault’s fascinating description of disciplinary mechanisms applied to towns under threat of Plague pandemic — quarantines that, it turns out, would eventually follow very precise urbanistic, administrative and bureaucratic designs: Documents of the era describe quarantined towns being divided into distinct quarters, each quarter governed by a so-called intendant, each infected street placed under the authority of a syndic, who would keep it under constant surveillance. Each house would be locked from the outside by the syndic, who then submitted house-keys to the intendant of the quarter. Keys would be returned to owners only after the quarantine was lifted. Only intendants, syndics and guards were permitted to move about the streets and between infected houses, or from one corpse to another. All inhabitants were obliged to appear at their windows daily to be individually inspected and scrutinized in regard to their state of health. Each individual’s status was documented by written registration submitted by syndics to intendants, and then remitted to the central authority, the magistrate.

Thus, Foucault describes how under threat of pandemic Death, we find disciplinary machinery in which „social space is observed at every point… the slightest movement of individuals is supervised and recorded…written documentation links the omnipresent and omniscient hierarchic center with the quarantined periphery“. To paraphrase Foucault: during quarantines, the late 17th century inhabitant became „immobilized in a frozen kind of space… an environment in which inspection functioned ceaselessly… and the authoritarian gaze was alert everywhere“. This, says Foucault, was the “political dream of the plague”. This was “the utopia of the perfectly governed city”.

The reconnaissance capabilities of massive masonry observation towers, with their intelligence-gathering and defensive overview of strategic landscape and crucial traffic, had been supplanted by a more lightweight, mobile structure: a technology of administrative compartmentalization, classification and policing, underpinned by technologies of authoritarian inspection, data collection and databanking.

As some of you are aware, Foucault’s description of late 17th century quarantine protocols is a mere prologue to his more trenchant analysis: how a provocative model prison would be theorized and codified a century later, that effectively built on Plague quarantine protocols. The innovations of the infamous Panopticon cited in our talk’s title signaled a modern shift away from massively fortified security architecture and the punishing brutality of dark dungeons. The Panopticon provided novel machinery for social discipline through an ingenious design based on illumination, transparency and vision.

The Panopticon project was theorized in the mid-1780s by a British social reformer trained in law, Jeremy Bentham, the founder of the doctrine of Utilitarianism, who enlisted Enlightenment reason to draw up a utopian scheme for social reform — one he saw as equally applicable to the penitentiary house, mad-house, house of industry, or school.
Bentham’s Panopticon — the Greek neologism signified ‘all-seeing place’– was all about vision and transparency, but vision and transparency operating one-way only: in the service of power. Bentham specifications called for a concentric building whose periphery was divided into non-communicating cellular enclosures, in which confined inmates would be held in isolation, invisible to each other. At the center of the annular design was a tower, the lodge, which housed the omniscient inspector. The panoptic mechanism’s asymmetric system of lighting and wooden blinds ensured that the individual inmate was constantly visible, identifiable, and classifiable to the inspector — who was a kind of secular version of the allseeing god’s-eye.
But while the inmate is seen by the inspector, he himself cannot see. “He is the object of information, never a subject in communication” Foucault points out. The Panopticon’s power was „visible and unverifiable” — that is, the inmate could not see the inspector, only the looming tower: he would never know when he was actually under surveillance. This uncertainty, along with the inmate’s isolation and loss of privacy, is the means of his compliance and subordination. Uncertainty becomes the principle of his own subjection. It assures that, in Foucault words: “surveillance is permanent in its effects, even if discontinuous in its action”. And thus Foucault draws our attention to our own very modern condition, locked within: “a state of conscious and permanent visibility that assures the automatic functioning of power”. In retrospect, Bentham’s social reform is recognized for its modern characteristics, achieved through an unprecedented kind of social control, an institutional architecture that provided for an efficient technology of coercive and punitive surveillance. It was a clean, rational, instrumental architecture whose internal mechanisms constructed physical preconditions of asymmetric power relations. Foucault refers to the Panopticon as a “pure figure of political technology”. And so it remains.

Ever-more subtle and sophisticated Panoptic mechanisms continue to reduce the individual’s privacy and integrity. Panopticism continues to limit the space in which civil liberties can be freely deployed. In the face of manipulative technologies, inventive reverse-engineering strategies are necessarily distributed, multiple, simultaneous, hybrid, interdisciplinary, opportunistic. We recall the dazzling efficacy of Ariadne’s fragile silk thread in the face of the Minotaur’s brutality. Last night, panelists reviewing the challenges to civil liberties wrought by SDMI and DMCA underscored the need for resistance through collaborations that reach across disciplinary boundaries and specializations. Institutional and disciplinary isolation — and preaching to the choir — constitute a prison of their own. Unexpected collaborations can offer productive strategies, and it is hoped that Cryptome and Cartome libraries offer useful tools towards the conceptualization of such novel strategies.

This multi-layered, hybrid approach has characterized Cartome’s recent analysis of the Jim Bell case, which explores unexamined terrain surrounding the case, including Homeland Defense, the new national security policy which is ushering in a troubling and unprecedented era of militarization of the domestic, civilian landscape: “So say goodnight to Joshua…Homeland Defense and the Prosecution of Jim Bell“. Be forewarned, if you are a rabblerousing C-punk, your home address has recently been programmed into precision targeting GIS.

At the far terminus of the medieval Via Francigena’s pilgrimage route, “Jerusalem SKY” (scheduled for online publication, Fall 2001) investigates conflict resolution through dual-use technologies — reconciling hardware and software developed in the context of national security with bird migrations that make the skies of the region one of the world’s premier long-distance migratory flyways, linking Europe, Asia, and Africa — with important implications for the military doctrine of „total air supremacy“. Intriguing conflict resolution strategies have been forced by the reality of avian biogeography and the effects of catastrophic birdstrikes, in which an F-15 worth $45million, along with pilot and navigator, can be brought down like a stone by a migrant stork. Around 170 military aircraft in Europe and Middle East have been destroyed in such birdstrike collisions.

“Jerusalem SKY” continues research initiated with „Parallel Atlas“, a digital cartographic project that explores the Cold War’s last remaining monument and world’s most fortified corridor, the Korean Demilitarized Zone, whose role as a national security landscape has been redefined since the Korean War by its transformation into a unique ecosystem harboring some of Northeast Asia’s most endangered species of endemic and migratory fauna and flora.

Cartome’s interest in hybridity, in the multiple and simultaneous layering of inclusive datasets — including the cartographic superimposition of biogeographic data onto national security landscapes — is reminiscent of the lesson of San Gimignano, whose security firewall of massive masonry towers did little to address a microscopic biological agent.

As always, Cartome, like Cryptome, looks forward to supporting our readers, and is pleased to provide a forum for your submissions — whether papers, maps, charts or hyperlinks.

And now let me turn you over to John Young, who will take us through another portal.

„Julieta“ -der neue Almodóvar ist ein ruhiger, schöner Film

Thomas Barth Julieta

Almodóvar betritt mit seinem neuen Film „Julieta“ wieder seriöses Terrain -nach der Travestiekomödie „Fliegende Liebende“ und dem Horror-Thriller „Die Haut, in der ich wohne“, geht es hier um eine tragische Beziehung von Mutter und Tochter. Eine lesbische Liebe wird in ihrer Verstrickung mit Vorstellungen von Sünde nur angedeutet, die Frauen, um die sich auch dieser Almodóvar dreht, kämpfen mit ganz normalen Schicksalsschlägen.

„Julieta“ beginnt mit starken Symbolen: Eine erotische Statue mit gewaltigem Penis, roter wallender Stoff, der die Anmutung einer Vagina bildet. Die Szene öffnet sich und man erkennt, dass Julieta (Emanuela Suárez), eine Frau um die fünfzig, ihre Habe in Kartons verpackt. Sie will mit ihrem Liebsten, Lorenzo, Madrid verlassen, um in Lissabon ganz neu anzufangen. Doch zuvor muss sie schnell noch eine Besorgung machen und das Schicksal nimmt seinen Lauf. Sie trifft auf der Straße Beatriz, eine alte Freundin ihrer lange verschollenen Tochter Antía. Beatriz berichtet, sie habe Antía kürzlich in der Schweiz getroffen. Julieta kehrt erschüttert zurück in das Apartment und verschwindet mit ihren Sachen, um Lorenzo, der nichts von Antia weiß, Hals über Kopf zu verlassen. Sie kann nicht mehr nach Lissabon und nimmt sich eine Wohnung in jenem Haus, in dem sie vor langer Zeit mit Antia lebte. Dort schreibt sie ihrer inzwischen erwachsenen Tochter, die gerade 18 geworden, der Mutter den Rücken kehrte, und die inzwischen, wie Beatriz berichtete, selbst zwei Kinder hat, einen Brief. Almodóvar wechselt in eine Rückblende, die die blutjunge Julieta (Adriana Ugarte) zeigt.

Julieta erteilt auf einer Zugfahrt einem aufdringlichen älteren Mann, eine Abfuhr und verlässt ihr gemeinsames Abteil um lieber mit dem schönen jungen Fischer Xoan zu flirten. Kurz darauf nutzt der Alte einen Halt, um den Zug zu verlassen und sich auf die Schienen zu werfen. Julieta plagen Schuldgefühle, doch sie gibt sich dem verheirateten Xoan hin, der von seiner schon lange im Koma liegenden Frau erzählt hatte. Xoan schreibt ihr und sie, die in dieser einen Liebesnacht sein Kind empfing, reist ihm nach in sein Fischerdorf, um zu erfahren, dass just seine Frau starb, ohne noch einmal das Bewusstsein wiedererlangt zu haben. Was als Story kitschig klingt, wird von Almodóvar so raffiniert erzählt und in beeindruckende Bilder gefasst, dass sich eine überzeugende Geschichte entwickelt. Die Tochter Antia wächst glücklich auf, bis Xoan in einem Sturm auf See ertrinkt.

Es geht um enttäuschte Erwartungen, unerfüllte Träume und Sehnsüchte, aber auch um Illusionen und Selbstbetrug. Vor allem geht es um Schuld und Reue, die Menschen auseinander treiben. Almodóvar erzählt nach den Kurzgeschichten der kanadischen Nobelpreisträgerin Alice Munro („Runnaway“) die tragische Lebensgeschichte einer Mutter und ihrer Tochter -ohne zu werten oder zu moralisieren. Julieta zeigt ein neues, freies Spanien, sie lehrt Altphilologie und begeistert sich für griechische Mythen, die Abenteuer, das Meer und die Freiheit preisen.

Ursprünglich sollte „Julieta“ den Titel „Silencio“ tragen, was auf ein wichtiges Element der Handlung verweist: Ein Schweigen, das Unheil bringt. Almodóvars Film zeigt, dass immer dann Unheil droht, wenn die Protagonistin in Schweigen verfällt. Julieta verweigerte dem Alten im Zug das Gespräch, der sich dann umbringt, und Jahre später ihrem Xoan, der daraufhin trotz Sturmwarnung aufs Meer hinausfährt. Aber die Stille der Figuren und die Ruhe, die viele beeindruckende Bilder des Filmes ausstrahlen, machen diesen Almodóvar auch zu etwas Besonderem.

Politisch Interessierte treffen sich im Cafe am See

Debattierclub Hamburg im Sommer:

Do.21.7.2016

17.17 Uhr

Stadtpark Lesecafe

 

Auch der zweite Polit-Debattierclub war ein voller Erfolg (der PrivKorruptAltvaterBelagerung des Stadtparks durch Vatertags-Bollerwagen zum trotz) Themen waren die Kriegsschuld-Debatte zum 1.Weltkrieg (mit 100 Jahren Abstand), Kritik und Kunst (Blog) und die Globalisierungskritik von Jean Ziegler, dem Schweizer Bankenkritiker und UNO-Hungerbeauftragten.

Nächster Treff in 2-3 Wochen, genauer Termin siehe hier -Vorschläge von euch über die Kommentarfunktion.

Danke für unerwartet zahlreiches Erscheinen! (trotz kurzfristiger Anberaumung und mieser Wetterprognose) Das ebenso unerwartet heiterbiswolkige Wetter hatte seinen Anteil. Nächster Treff  schon eine  Woche + 15 Minuten später am gleichen Ort -unter blühenden Magnolien und Kirschen derzeit: Nicht im Biergarten vom Schwimmbad, sondern klassisch im Cafe (100 m vom Nordufer also) Erstlingstreff war am 28.4. ab 17:00  für Wetterfeste kein Problem wer nicht bei der TTIP-Demo war, kann immerhin hier Obama würdigen.

Peter Watts Mahlstrom: Cyperpunk für Biologen

T.Barth  Mahlstrom

Zeit: Irgendwann im nächsten Jahrhundert. Ort: Pazifik, Nordamerika. Autor: Kanadier aus Toronto, arbeitete angeblich lange als „Unterwasserbiologe“. Ärgerlich: Der Klappentext plaudert ein Geheimnis aus, das der Leser eigentlich auf den ersten 130 Seiten langsam lüften sollte: „Eines Tages wird in den Tiefen der Meere  eine prähistorische Lebensform entdeckt, die eine tödliche Bedrohung für das Leben auf der Erde bedeutet. Kurzerhand wird ein Nuklearschlag durchgeführt, der das Virus für immer vernichten soll –ohne die im Tiefseelabor tätigen Wissenschaftler vorzuwarnen. Doch eine der Forscherinnen überlebt die Explosion. Sie trägt das Virus in sich. Und sie will Rache…“ (Leser des ersten Bandes der Trilogie hätten das ohnehin gewusst, aber dass wir hier einen Folgeband vor uns haben verschweigt der Verlag ebenfalls.)

Der Anfang kommt deshalb etwas langweilig rüber, doch erfreulicherweise wartet Peter Watts mit genug neuen Wendungen auf, um dem Roman immer wieder neuen Drive zu geben –die Handlungsstränge spießen aus dem Text wie Tentakel aus einer Seeanemone. Und zum Glück hat der Klappentextschreiber einiges wohl nicht richtig verstanden, z.B. handelt es sich gar nicht um ein Virus…

Freunde der schaurigen Anti-Utopie kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten, insbesondere Hypochonder, denn Seuchen aller Art plagen den künftigen Planeten; die Nationalstaaten sind hingegen belanglos geworden, Quarantänegrenzen durchziehen stattdessen Land und Megacities, Umweltflüchtlinge sperrt man in Massen-KZs an der Küste. Die Quebecer wird’s freuen: Nach Wasser- und Energiekriegen hat Französisch das Englische als dominante Weltsprache abgelöst, doch Computer-Simultanübersetzung erübrigt Sprachkenntnisse ohnehin.

Cyberpunk-like rüsten sich die Menschen mit Bioimplantaten auf, besonders die Rifters, Tiefsee-Cyborgs wie die rachsüchtige Lenie Clark. Der Erzähler schlüpft wechselweise in die Haut eines Rifters, einer KZ-Wächterin –künftig ein Heimarbeitsplatz zur Steuerung von „Mechfliegen“–, eines Partygirls, die dem totalitären Regime frech die Stirn bietet, eines Killers, sogar in eine evolvierende KI-Einheit (Neuromancer als kybernetischer Entwicklungsroman).

Weitere Hauptfigur ist ein mächtiger, aber hirntechnisch manipulierter Bürokrat mit der Befugnis Quarantänegrenzen zu ziehen und Dekontamination einzuleiten, bis hin zu Massenverbrennungen mit Mann und Maus. Als sensibler Zyniker blickt er mit Spott auf Spießer, Ökos und Cyberpunks herab: „Als Achilles Desjardinds die Bühne betreten hatte, war Cyberspace ein von Wehmut erfülltes Fantasiewort gewesen, ähnlich wie Hobbit oder Biodiversität.“

Der Cyberspace heißt nun „Mahlstrom“ und ist bevölkert von digitalen Lebensformen, weshalb privilegierten Firmen nur in einer mühsam mit Firewalls verteidigten „Zuflucht“ zuverlässige Datenverarbeitung möglich ist. Nicht mal in seinen Cybersexfantasien ist Desjardins sicher vor Eindringlingen, die seine SM-Neigung mit Cyberkastration bestrafen wollen. Dank der ihm eingepflanzten Handlungsblockade, genannt „das Schuldgefühl“, ist Achilles zudem unfähig „unmoralisch“ zu handeln, und das heißt dort: gegen die Interessen seiner Arbeitgeber. Private Multis, Industriemafia und Konsorten beherrschen die Welt, wie einst bei weiland Gibsons Neuromancer.  Als neuen Raum erobert Peter Watts die Tiefsee für den Leser, der Verlag versichert, sein Autor hätte lange als Tiefsee-Biologe gearbeitet –und tatsächlich  glänzt er mit entsprechendem Fachwissen. Der fulminante Roman vermittelt nebenher Einblicke in die perverse Gedankenwelt einer biologistischen Philosophie, speziell des Freiheit-oder-Determinismus-Problems.

Peter Watts: Mahlstrom, W.Heyne: München 2009, 511 S., 9,95- Euro.  www.rifters.com

Internetpolitik2.0: Kauf dir viele virtuelle Freunde

Thomas Barth

Die Union zwischen Freibier und Outsourcing

Früher setzte man Claqueure ins Publikum, dann kam das Soap-Lachen vom Band und nun gibt es eine Branche, die im Web2.0 entsprechende Dienstleistungen anbietet: Friend faker, ein etwas anrüchiges Genre zwischen Stimmungsmache und Schleichwerbung. Bei der CDU, die verzweifelt versucht, den Piraten Jungwähler im Web2.0 abzujagen, wurden nun unerklärbare Sprünge an Twitter-Followern entdeckt.

Betrübt es Sie, dass niemand außer Ihnen selbst Ihr YouTube-Video angucken mag? Die US-Marketingfirma Social Media Combo etwa verspricht Abhilfe: Sie verkauft (angebliche) Aufmerksamkeit, Tausend YouTube-Views kosten 110,99- Dollar; 21,44- Dollar muss man für 500+ likes auf Facebook zahlen, 55,00- Dollar für 300 followers auf Pinterest. Am billigsten bekommt man es auf Twitter:

“What’s the best price on Twitter followers?Our best price is only $9.99 for 1200+ followers on Twitter for starters. If you’re an intermediate entrepreneur you can take 5000 followers on Twitter for a low price of $30.99 & up to 50K followers for $225.99 for your business.”

Die PR-Effekte liegen auf der Hand, viele User folgen der Masse der clicks, views und likes in ihrer Auswahl aus den Myriaden Angeboten des Cyberspace –obwohl man eigentlich weiß, wie Lemminge ihre Massenevents beenden und wohin sich die meisten Fliegen setzen. Ist es gerade für eine Partei die nicht so sehr an kontroversen Debatten, sondern mehr am Erfolg orientiert ist, vielleicht besonders attraktiv sich „Follower“ zu kaufen? Dieses Wort wird ja eigentlich am besten als „Mitläufer“ ins Deutsche übersetzt. Die am ehesten für facebook-tauglich geltende Bundesfamilienministerin Kristina Schröder hatte im Web2.0 schon vehement die CDU-Flagge geschwenkt und gleich eine gemeinsame Initiative mit der Firma Facebook gestartet.

Seehofers CSU-Facebook-Party

Aber nicht einmal das hatte der CDU zu allzu viel Online-Aufmerksamkeit erbracht. Ging CSU-Chef Seehofer bei der Suche nach Freunden im Web2.0 noch den bodenständigen Weg einer Facebook-Party, könnten modernere PR-Profis in der Politik eher auf effizientes Outsourcing gesetzt haben –wie viele Maß Freibier bekommt man schon für 30,99- Dollar? Die Frage, ob die CDU sich Twitter-Follower gekauft hat, brachte das ZDF-Blog Hyperland auf.

Bis zum 26. April war demnach die Mitläufer-Schar im Twitter-Profil der CDU (@cdu_news) nur bedächtig gewachsen. Eine Online-Redaktion der CDU-Bundesgeschäftsstelle pflegt das Konto seit Anfang 2009 und konnte bis dahin an die 20.000 Follower an sich binden. Ärgerlich war vermutlich: Die SPD hatte zu dem Zeitpunkt fast 5.000 virtuelle Mitläufer mehr. Vom 26. bis 29. April fanden jedoch innerhalb von nur drei Tagen plötzlich ca. 5.000 neue Follower Geschmack an dem CDU-Onlinedienst, obwohl nichts Sensationelles passiert war. Nach dem 29. April ging der mühsame Anstieg weiter wie bisher.

Jens Schröder von Hyperland sah sich die neuesten 10.000 Follower der CDU genau an und fand dabei „sehr schnell“ fast genau 5.000 Follower, die ihm nicht zum Rest zu passen schienen.

CDU- Twitterer aus Venezuela

Die CDU- Twitterer (auf @cdu_news) kamen vorher meist aus Deutschland, nun plötzlich auch aus Venezuela, Milwaukee und Indien; die meisten der seltsamen Twitter-Accounts folgen mehr als 1.000 anderen Twitterern, hatten nur drei bis zehn Tweets getwittert und selbst maximal 60 Follower. Auffällig fand Schröder auch die künstlich klingenden Namen der Accounts: @ykKOMIENSIMMIE, @Zaidacx46 oder @eoWebKinzPopxo nannten sich die virtuellen CDU-Mitläufer.

Auch das via Twitter-API öffentlich zugängliche Erstellungsdatum der Accounts schien verdächtig: So wurden z.B. 450 davon im Abstand weniger Minuten am 24. und 25. Januar eröffnet; ca. 500 der 5.000 CDU-Neuzugäng twitterten nur bis zum 15. Dezember 2011, weitere 1.400 bis zum 20. Januar 2012. Die Firma Social Media Combo, recherchierte Schröder, betreibt offenbar auch Seiten wie addtwitter-followers.com und etwa 130 der neuen CDU-Follower folgten @socialmedia04, dem Follower-Account der Online-PR- Firma selbst. Von Hyperland mit den Recherche-Ergebnissen konfrontiert, zeigte sich die CDU überrascht:

“ Die CDU Deutschlands hat zu keinem Zeitpunkt und für keines ihrer Angebote den Kauf von Followern beauftragt oder veranlasst. Bezüglich des ungewöhnlichen Anstiegs der Follower-Zahlen auf @cdu_news im April hat die CDU Twitter mit der Überprüfung und ggf. Löschung der Anmeldungen beauftragt. Die entsprechenden Löschungen sind bereits erfolgt.”

Twitter löschte 5.000 Geister-Accounts

So löschte Twitter die 5.000 Geister-Accounts und ließ uns mit dem Problem zurück, wer verantwortlich für den Aufmerksamkeits-Segen für die Christdemokraten gewesen sein könnte. Schröder fragte sich: „ein übermotivierter Mitarbeiter, ein anonymes Parteimitglied, oder einfach nur jemand, der 31 Dollar übrig hatte“?

Die tollpatschige Web2.0-Farce der Union wurde von der chronisch unterfinanzierten Piratenpartei mit dem wohl nicht wirklich ernstgemeinten Angebot bedacht: „Liebe CDU, wollt ihr euch noch 80.000 Follower dazu kaufen? Dann hättet ihr fast so viele wie wir“.

Ein offenbar erboster CDU-Anhänger, FranzK ‏@Franz_589, hielt dagegen: „Die @Piratenpartei scheint ja damit wirklich Erfahrung mit den Ankauf von followern zu haben cc/ @cdu_news https://pluragraph.de/organisations/ … ‪#piraten“

Mit einem Link, der einen sprunghafte Anstieg von Piraten-Followern am 29.März 2012 zeigt.

Doch die Piratenpartei NRW hatte am 28.März einen realen Schub an Aufmerksamkeit erhalten: Der WDR hatte sie quasi offiziell zur „fast-schon-Landtags-Fraktion“ erklärt:

„Im Vorfeld der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen sendet das WDR Fernsehen „Das Duell“ der beiden Kandidaten für das Amt der Ministerpräsidentin bzw. des Ministerpräsidenten und eine „Runde der Spitzenkandidaten“ der Parteien, die bislang im NRW-Landtag vertreten sind, und der Piratenpartei.“

Erschien auch in

Flaschenpost -Nachrichtenmagazin der Piratenpartei