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Keiner kennt Michael Hastings -Mord Ex Machina: Der Big-Data-Tatort zum 34c3

Michael Hastings starb 2013 bei Autounfall (?) bevor er CIA-Direktor Brennan kritisieren konnte

Fernseh-Krimi bringt zwar Kritik zu Big Data, vergisst aber realen Todesfall  (US-Reporter Michael Hastings) und dämonisiert letztlich doch wieder die Hacker

von Thomas Barth

Spoilerfreie TV-Filmkritik nebst Essay über Hacker, Gefahren von Big Data und selbstfahrenden Autos sowie den mysteriösen Tod des US-Journalisten Michael Hastings, der CIA-Direktor Brennan kritisieren wollte (und schon den JSOC-General Stanley McChrystal mit einem Artikel zu Fall gebracht hatte).

Manche Besucher des 34. Chaos Communication Congress haben, just aus Leipzig heimgekehrt, beim Neujahrs-Tatort der ARD ihre Themen weiterverfolgen können. Wohl eher Zufall als cleveres Timing, vergaßen die Filmemacher einen durchaus möglichen Querverweis auf den Chaos Computer Club einzubauen. Doch die kritische Aufbereitung des Themas „autonomes Auto“ als Thriller im Big-Data-Milieu war prinzipiell lobenswert und dürfte in den PR-Abteilungen mancher Firma dieser Branche zu Herzrasen und Schweißausbrüchen geführt haben. Die Image-Beschädigung vor Millionenpublikum wieder wett zu machen, könnte einiges an Werbung und Lobbyisten-Arbeit kosten.

Die bildungsbürgerliche Süddeutsche (SZ) legt schon mal vor und bringt einen erregten Verriss: „Im „Tatort“ aus Saarbrücken geht es um Datendiebstahl und wie sich der auf die Privatsphäre auswirkt. Das ist ziemlich viel Kulturpessimismus zum Jahresauftakt.“ Nein. Ist es nicht. 15.000 Besucher (Rekord) des 34c3 würden dies vermutlich bestätigen. (Der Tatort „Mord Ex Machina“ ist noch bis Ende Januar in der ARD-Mediathek verfügbar.)

Mord Ex Machina: Der Plot

Düsterer Hacker knackt in dunklem Zimmer vor drei Bildschirmen einen Firmenrechner, soviel Klischee muss sein. Seine sexy Mithackerin Natascha wälzt sich derweil im Bett mit dem Justiziar des Big-Data-Unternehmens Conpact, Sebastian Feuerbach. Feuerbach hatte Streit mit seinem Freund und Geschäfts-Partner, dem „visionären“ Firmenboss Victor Rousseau, weil dieser ungehemmtes Big Data betreiben möchte -auch in hypermodernen, autonom fahrenden Autos. In einen dieser Prototypen steigt der virile Jurist und rauscht prompt durch die Leitplanke des Parkhochhauses.

Selbstmord oder Unfall? So rätselt Kommissar Stellbrink, kommt aber schnell darauf, dass dieses High-Tech-Mobil womöglich gehackt wurde. Doch das Hacker-Pärchen ist fein raus: Rousseau hatte sie engagiert, um nach Sicherheitslücken in seinem Firmennetz zu suchen. Nebenbei, erfährt man, sollte in die Bordcomputer der neuen Wagen eine Hintertür eingebaut werden, so dass die Firma Conpact alles mitschneiden kann, was die Dutzenden Kameras in und um den Wagen aufzeichnen. Brisant, denn die Bundesregierung ist der erste Kunde und will ihren Limousinenpark von Conpact auf autonomes Fahren umrüsten lassen…

Stellbrink muss sich durch hippe Firmenwelten, erotisch aufgeladene Beziehungen und eine terroristische Vergangenheit wühlen, um den Fall aufzuklären. Filmtitel und Idee ähneln zwar einem gleichnamigen Film der Sherlock-Verschnitt-Serie „Elementary“, aber besser gut geklaut als schlecht erfunden -und Tatort punktet mit ernsthafter Gesellschaftskritik am Phänomen Big Data.

Viele dubiose, kleine Firmen bevölkern den Datenmarkt. Doch beherrscht wird er von großen, international agierenden Konzernen, wie zum Beispiel Acxiom, Datalogix, Rapleaf, Core Logic oder PeekYou. Acxiom, einer der Branchenriesen, erwirtschaftet weltweit mehr als eine Milliarde US-Dollar pro Jahr und verwaltet über 15.000 Datenbanken für seine über 7000 Kunden. Der Konzern verfügt über 700 Millionen aktive Konsumentenprofile, darunter mehr als 40 Millionen aus Deutschland.“ c’t Digital gebrandmarkt – Wie Kundendaten gesammelt, gehandelt und genutzt werden

Der Hintergrund: Big Data und Cyberattacken

Spätestens seit Snowden wissen wir, dass Geheimdienste gerne solche Daten abschöpfen, sicher nicht nur aus Merkels Handy. Warum sollten Firmenbosse nicht auch selber zugreifen? Zumal wenn sie im Big Data-Business sind? Die Kritik an diesem Business wird von „Mord Ex Machina“ noch weiter getrieben: Der nicht sehr computer-affine Kommissar, der sich just nur mühsam auf einer Dating-Site bewegte, erfährt staunend vom Nutzer-Profiling, wo nach 68 „Likes“ auf Facebook seine Persönlichkeit nach dem „OCEAN“-Modell bewertet werden kann: Michal Kosinskis psychometrische Big-Data-Analyse machte 2016 Schlagzeilen, weil angeblich Trumps Wahlkampf und der Brexit mit so lancierter Werbung erfolgreich waren. Auch wenn dies übertrieben war -vor Datenklau und Profiling zu warnen ist sicher nicht falsch von den Tatort-Machern, zumal sie ihre Gesellschaftskritik filmisch überzeugend vermitteln: Einzelne Personen werden immer wieder sekundenlang eingefroren, vor verschwommenem Hintergrund unnatürlich scharf anvisiert: Wie unter dem Mikroskop von Netz-Profilern. Die SZ sieht das allerdings anders und nörgelt:

…und das Internet mal wieder ganz böse. Man sieht die Zuschauer auf dem Sofa förmlich mitschimpfen: „Ja, genau, dieses neumodische Internetzeug. Pfui!“ Angesichts dieser altbackenen, uninspirierten und kulturpessimistischen Heransgehensweise hilft alles nicht: Man muss einfach mit den Augen rollen. Und ganz tief seufzen. Nicht schon wieder. Carolin Gasteiger, SZ-Tatort-Fernsehkritik

NZZ mag „Tatort“ nicht: Zuviel Gesellschaftskritik statt Schusswaffengebrauch

Damit stellt sich die einst sozial-liberale SZ treu an die Seite der stramm-konservativen NZZ, die 2009 in ihrer wütenden Abrechnung mit den Tatort-Machern „Traurige Kommissare“, deren Gesellschaftskritik als „Feuilleton-Soziologie“ und „Gesinnungskitsch“ geißelt. Die Tatort-Helden hätten doch alle Probleme, so die NZZ, seien „Gutmenschen, Allesversteher und Betroffenheits-Betschwestern“ und würden zudem Schusswaffeneinsatz scheuen „wie der Teufel das Weihwasser“. Das ist sicher schlecht für die Schweizer Waffenindustrie, die bekanntlich die Verbrecher halb Europas mit Schießeisen versorgt. Aber wenn dann doch mal ein Till Schweiger im Rambo-Stil zur Knarre greift, ist es auch wieder nicht allen Recht zu machen: Die Zensurbehörde in Kiew monierte, dass dabei zu wenig Russen erschossen wurden. Die jüngste Kritik an Big Data und Roboter-Autos sollte dagegen weniger anecken, aber die SZ mault abschließend über die „altbackene“ Gesellschaftskritik:

„Jens Stellbrink zieht aus den verstörenden Erkenntnissen des Falles Konsequenzen: Der Kommissar löscht sein Online-Dating-Profil, holt einen Falke-Stadtplan aus der Schublade und wirft sein Smartphone vom Balkon. Das ist platt und verbohrt: Als könnte man den digitalen Entwicklungen und Herausforderungen so begegnen.“ SZ

Nikolai Kinski: netwars – gesellschaftskritisches multimedia project

Doch, liebe SZ, so leicht kann es manchmal sein: Smartphone weg und Profil löschen. Ach, hätte die SZ das „neumodische Internetzeug“ doch nur zu Recherchezwecken eingesetzt, dann hätte sie erfahren, dass die Kritik gar nicht so „altbacken“ sein kann, wenn sie etwa vom 34c3 geteilt wird. Oder dass der digital gemeuchelte Datenschützer Feuerbach nicht „platt und verbohrt“, sondern recht feinsinnig besetzt wurde: Der Darsteller Nikolai Kinski, ein Sohn Klaus Kinskis, lieh sein Konterfei zuvor dem preisgekrönten Netwars-Projekt (Grimme Online Award 2015).

Oder dass der kulturpessimistische Plot womöglich einen realen Vorläufer hatte: Den Fall des bei einem mysteriösen Autounfall getöteten CIA-Kritikers Michael Hastings. (Anm. Die SZ übte früher selber Digital-Kritik: In der Snowden-Hype durfte dort Daniel Ellsberg über die NSA als „Stasi von Amerika“ schimpfen).

Risiko Car-Hacking: Michael Hastings

Michael Hastings, kritischer US-Journalist, starb 2013 bei mysteriösem Unfall in neuem Mercedes als er aus Angst vor CIA untertauchen wollte (car hacking?)

Der erst 33-jährige Hastings starb 2013, was Fragen nach einem möglichen Hackerangriff auf sein Auto auslöste: Die Huffington Post warnte vor „conspiracy theories“; Wikileaks twitterte, der preisgekrönte Investigativ-Journalist Hastings hätte kurz vor dem Unfall versucht, die WikiLeaks-Juristin Jennifer Robinson zu kontaktieren; DER SPIEGEL will vom Thema car hacking nichts mitbekommen haben; USAtoday berichtete, Hastings hätte versucht, sich den Wagen seiner Nachbarin zu leihen, weil er fürchtete, an seinem Mercedes wäre herum gepfuscht worden; das Auto der Nachbarin wäre aber defekt gewesen -dann starb Hastings, der gerade an einer heißen Story zu CIA-Chef Brennan dran gewesen sein soll.

Michael Mahon Hastings (1980-2013) war ein US-amerikanischer Investigativjournalist und Schriftsteller. Er war Mitherausgeber des Rolling Stone und Korrespondent für BuzzFeed. Sein Artikel 2010 über den General, ehemaligen JSOC-Kommandeur und US-Oberbefehlshaber der NATO in Afghanistan, Stanley McChrystal, führte zu dessen umgehender Entlassung durch US-Präsident Barack Obama. Hastings arbeitete zuletzt, laut Aussage seiner Witwe Elise Jordan, an einer Geschichte über CIA-Director John O. Brennan, er fiel 2013 einem Autounfall zum Opfer, so der offizielle Polizeibericht. Allerdings zeichneten Kameras drei Explosionen auf, der Motorblock lag in erheblicher Entfernung. Es gab diverse weitere Indizien, Hinweise und auch Zeugenaussagen, unter anderem von WikiLeaks, Richard Clarke und dem „Buzz-Feed“-Chefredakteur Ben Smith, die insgesamt einen Mord wahrscheinlicher erscheinen lassen. (…)

Am Tag vor seinem Tod äußerte Hastings, sein Mercedes könnte manipuliert worden sein, und bat deshalb seine Freundin Jordanna Thigpen, ihm ihren Wagen zu leihen. Er fühle sich bedroht und wolle die Stadt verlassen. Stunden vor seinem Tod schrieb Hastings seinen Freunden und Arbeitskollegen in einer E-Mail das FBI würde seine Freunde befragen: „Ich bin an einer großen Geschichte dran und muss eine Weile vom Radar verschwinden.“ Die E-Mails wurden am 17. Juni 2013 gegen 14 Uhr verschickt. Gegen 4.20 Uhr des nächsten Dienstagmorgen, 18. Juni 2013, starb Hastings. Dem Polizeibericht nach saß er allein in seinem Mercedes C250 auf der nördlichen Highland Avenue in Hollywood, als er aus unbekannter Ursache die Kontrolle über das Fahrzeug verlor. Das Auto kam von der Straße ab, durchbrach eine Leitplanke und fuhr ungebremst mit hoher Geschwindigkeit gegen eine Palme. Der Mercedes explodierte in einem Feuerball, der Motorblock lag in auffällig großer Distanz vom Auto, und Hastings Leiche verbrannte so stark, dass der Gerichtsmediziner ihn erst zwei Tage später anhand seines Gebisses identifizieren konnte. Laut Polizeibericht war es ein selbst verschuldeter Autounfall, es konnten keine Beweise für eine Fremdeinwirkung festgestellt werden. Wikipedia (dt.)

Das FBI dementierte nach dem Todesfall, Hastings überwacht zu haben, was aber laut US-Wikipedia nicht stimmt. Die US-Behörden hatten ein Jahr zuvor begonnen, den kritischen Journalisten, einen Freund des TYT-Gründers Cenk Uygur, ins Visier zu nehmen. TYT (The Young Turk) ist ein kritisches US-Mediennetz, das den Mainstream-Medien die Stirn bietet und hierzulande kaum Beachtung findet (TYT zu Hastings Tod).

The FBI released a statement denying that Hastings was being investigated, at least not by their agency. This statement was incorrect as FBI had opened a file on Hastings as early as 2012 (see FBI files below). Wikipedia (engl.)

Diese in deutschen Medien auffällig selten erwähnte, beinahe totgeschiegene Geschichte zeigt: Man braucht womöglich kein komplett autonomes Fahrzeug, um jemanden digital zu verunfallen (wovor CCC-Hacker schon lange warnten). Die Anspielung auf Michael Hastings Tod haben die ARD-Filmemacher allerdings komplett übersehen (oder hatten sie Angst, den kaum bekannten Fall zu erwähnen?). Dabei liegt im eigenen Archiv eine NDR-Doku von 2014, bei der dieser Todesfall als mögliches Auto-Hack-Attentat angeführt wird, Titel: „Im Visier der Hacker – Wie gefährlich wird das Netz?“ (in der Mediathek der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich, aber im freien webarchive dokumentiert).

„Ein brennender Unfallwagen im nächtlichen Los Angeles. Ein Mercedes als Trümmerhaufen, Ursache unklar, keine Zeugen. In den Flammen stirbt der US-Journalist Michael Hastings. Er recherchierte gerade an einer neuen Enthüllung. Seine letzte Story hatte einen Elite-General die Militärkarriere gekostet. Der Daimler-Konzern sieht angeblich keinen Grund, der Sache nachzugehen. Doch in der NDR-Reportage über die Risiken der Welt von morgen hält es der langjährige US-Sicherheitskoordinator Richard Clarke für durchaus möglich, dass der Wagen von außen gehackt wurde.“ ARD-Mediathek (webarchiv)

Im Tatort grämt sich eine Kommissarin angesichts des Mordes per Auto-Elektronik: „In zehn Jahren werden wir jede Menge autonom fahrende Autos auf der Straße haben -wer sagt mir dann, was ein Unfall war und was nicht?“ Willkommen in der Gegenwart liebes Tatort-Team. Oder, mit der traditionellen Abschlussformel des Chaos Communication Congress zum Jahresende: „Guten Rutsch ins Jahr 1984!“ (padeluun)

Dämonisierung der Hacker

Unerfreulich am Tatort-Plot ist schließlich, dass leider doch wieder ein paar Hacker kräftig dämonisiert werden. Denn im Verlauf der Ermittlungen taucht eine frühere Hackergruppe auf, die 2002 eine „ethisch motivierte“ Cyberattacke verübte. Die Hacker hätten auf die „Gefahren der Digitalisierung hinweisen“ wollen, in dem sie in der Nacht des 29.9.2002 alle Ampeln von Nancy auf „Grün“ schalteten. Trotz Vorwarnung gelang es den Behörden nicht, den Anschlag auf das Verkehrsleitsystem zu vereiteln (daran, die Ampeln einfach abzuschalten, hatte man offenbar nicht gedacht). Ergebnis: Vier Todesopfer und 48 Verletzte, für die unsere Hacker verantwortlich zeichnen.

Und nicht genug -der Tatort zeigt dramatische Zeitungstitel zum frei erfundenen Terrorangriff: “Une cyberattaque sur le feux de circulation“, “Les terroristes de l’internet -le nouveau danger“, „Nancy Crash: Beide Eltern zerquetscht“, daneben ein weinendes Kindergesicht; dann Überblendung ins Gesicht einer Hackerin, aus deren Auge eine Träne rollt. Das ist etwas dick aufgetragen und außerdem: Ethisch motivierte Hacker hätten sich darauf beschränkt, die Ampeln alle auf Rot zu schalten, statt Menschenleben zu riskieren. Doch so kommen selbst die vernünftigen Warnungen vor digitaler Gefahr natürlich viel dämonischer rüber.

Der Tatort „Mord Ex Machina“ ist noch bis Ende Januar in der ARD-Mediathek verfügbar.

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PsyWar: CIA-Programm Artischocke und MK-Ultra

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Artischocke /Karelj CC3.0

Thomas Barth

Warum regt sich so wenig Protest gegen die Politik der US-Regierung in der eigenen Bevölkerung? Woher haben die US-Herrschaftseliten ihre immense Macht über das Denken der Amerikaner? Eine Antwort gibt der Blick auf die Geschichte ihrer psychologischen Forschung. Die Erlangung von Kontrolle über das menschliche Gehirn wurde seit den 50er Jahren energisch verfolgt, vor allem von der CIA. Der Name der Projekte: „Artichoke“ und MK-Ultra.

Der frischgebackene CIA-Direktor Allen W. Dulles hielt am 10.April 1953 seine berühmte Brain-Warfare-Rede. Diese Rede war der Startschuss für das wohl ambitionierteste bekannte Forschungsprogramm zur Beherrschung des menschlichen Geistes in der Geschichte. Durchgeführt wurde es als Projekt „Artichoke“ (Artischocke) unter der Ägide des damals noch jungen US-Geheimdienstes CIA, später als Programm MK-Ultra.

Direktor Dulles beschwor eine „Schlacht um die Köpfe der Menschen“, die es angeblich „gegen die Sowjets“ zu gewinnen gelte. Dabei dachte er nicht an bessere Argumente. Für diese Schlacht bedürfe es dringend, wirksamere Mittel der psychologischen Kriegsführung zu entwickeln. Allen W. Dulles startete ein Programm unter Führung namhafter Psychiater wie Dr.Cameron, der sich als Präsident der US-Psychiatervereinigung A.P.A. auch als Chef des streng geheimen MKULTRA-Programms der CIA engagierte. Dort wurden verbrecherische Menschenexperimente aus dem KZ Dachau fortgesetzt, deren führender Nazi-Arzt, der stellvertretende Reichsärzteführer Dr. Kurt Blome, dafür eigens amnestiert und angeworben worden war.

Das streng geheime CIA-Programm „Artichoke“, später „MK ULTRA“, fasste Ansätze von Geheimdiensten der US Army, US Navy und anderen zusammen, die man rückblickend als Manipulations-, Verhör- und Foltertechniken bezeichnen muss (Hypnose, Drogen, Elektroschocks). Schon vor ihrer praktischen Anwendung forderten diese Methoden zahlreiche Opfer, da zu ihrer Entwicklung illegale Menschenversuche stattfanden. Mit diesen Versuchen verstießen die USA gegen den Nürnberger Ärztekodex, wie jüngst Egmont R. Koch und Michael Wech in ihrem Buch „Deckname Artischocke: Die geheimen Menschenversuche der CIA“ (Bertelsmann Verlag, München 2002) nachwiesen bzw. in ihrer gleichnamigen preisgekrönten Fernsehdokumentation (Link vom WDR aus dem Netz entfernt).

In 1964, Richard Helms, the CIA’s Deputy Director for Plans, responded to a question from J. Lee Rankin, the General Counsel for the President’s Commission on the Assassination of President Kennedy, about Soviet brainwashing techniques. Mr. Helms suggested that the Soviets were locked in a „battle for the minds of men.“
Helms was echoing Allen Dulles, who, as the newly installed Director of the CIA, had addressed a national meeting of Princeton alumni on April 10, 1953, at Hot Springs, Virginia, as follows. In the past few years we have become accustomed to hearing much about the battle for men’s minds-the war of ideologies -and indeed our Government has been driven by the international tension we call the ‚cold war‘ to take positive steps to recognize psychological warfare and to play an active role in it. I wonder, however, whether we clearly perceive the magnitude of the problem, whether we realize how sinister the battle for men’s minds has become in Soviet hands. We might call it, in its new form, „brain warfare“. The Helms memorandum was classified in 1974 and is Warren Commission document no. 1131. The Dulles speech was excerpted in U.S. News and World Report (May 8, 1953), p. 54, under the title „Brain Warfare-Russia’s Secret Weapon.“

U.S. Human Rights Abuse Report, Cheryl Welsh, January 1998

Die in A.W.Dulles Rede erstmals öffentlich legitimierten geheimen Experimente verfolgten das Ziel, der Bedrohung durch „kommunistische Gehirnwäsche“ entgegen zu wirken – und der amerikanischen Außenpolitik „dirty tricks“ bereit zu stellen. Der Auslandsgeheimdienst CIA pflegte enge Beziehungen zum US-Außenministerium, insbesondere 1953 unter Außenminister John Foster Dulles, dem Bruder des neu ernannten CIA-Direktors Allen W. Dulles. In den USA herrschte Paranoia vor sowjetischer Infiltration. Anti-kommunistische Hexenjagden sollte vor der unheimlichen Seuche marxistischen Gedankengutes schützen. Einer teuflischen Ideologie, die aufrechte Amerikaner in willenlose Marionetten gefühlloser Gleichmacherei verwandeln konnte – wie im Film „Die Invasion der Körperfresser“.

Ein Mensch konnte nicht durch eigenes Denken, durch eigene Entscheidung zum Kommunisten werden. Dass Kommunismus z.B. vor dem Absinken eines Staates zur Plutokratie schützen konnte, leuchtete den Dulles-Brüdern nicht ein. Der Gedanke an eine Plutokratie, also der Herrschaft reicher Familienclans, die ihren Sprösslingen Amt und Macht kaufen, lag den DullesBrüdern natürlich fern – ihr Großvater hatte ebenfalls schon das Amt des US-Außenministers bekleidet.

Die Bedrohung durch „kommunistische Gehirnwäsche“ hatte sich auch im Koreakrieg gezeigt, als die Koreaner ab 1951, später auch die Chinesen den US-Streitkräften den Einsatz geächteter biologischer Kriegsführung vorwarfen (u.a. Pestbakterien und Anthrax). US-Piloten, die mit ihren Bombern abgeschossen wurden, gaben dies in koreanischer Gefangenschaft öffentlich zu.

The CIA program, known principally by the codename MKULTRA, began in 1950 and was motivated largely in response to alleged Soviet, Chinese, and North Korean uses of mind-control techniques on U.S. prisoners of war in Korea. Because most of the MKULTRA records were deliberately destroyed in 1973 by order of then-Director of Central Intelligence Richard Helms, it is impossible to have a complete understanding of the more than 150 individually funded research projects sponsored by MKULTRA and the related CIA programs. ACHRE Report, Chapter 3, Supreme Court Dissents Invoke the Nuremberg Code: CIA and DOD Human Subjects Research Scandals

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Camp Detrick Biowaffenlabor

Für die USA ein klarer Beweis für eine Gehirnwäsche im Dienste der kommunistischen Propaganda, so die Version, die sich in den westlichen Medien und Geschichtsschreibung durchsetzte. Bis jüngst Beweise ans Licht kamen, die auf ein US-Biowaffen-Programm in Camp Detrick hinweisen (Pentagon bestätigt nach Pressebericht Forschung an biologischen Kampfstoffen). Dort wurde mit Anthrax, Botulinus und Pest geforscht, wobei Biowaffen-Experten aus Nazi-Deutschland und Japan helfen durften, auch und insbesondere solche, die ihre Erkenntnisse durch verbrecherische Menschenexperimente gewonnen hatten.

Zur Vertuschung dieser geheimen Forschungs- und Produktionsaktivitäten kamen offenbar psychologische Techniken aus dem Artichoke-Programm zum Einsatz, auch gegen einen führenden US-Biowaffen-Wissenschaftler, Frank R. Olson. Dieser musste 1953 offenbar nach einer gescheiterten LSD-Behandlung sterben, da die CIA ihm nicht mehr traute; an der Vertuschung des Mordes waren 1975 auch der junge Richard Cheney und Donald Rumsfeld beteiligt, so das Fazit des Autorenduos Koch/Wech.

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George W. Bush

Der Sohn des Ex-CIA-Direktors und späteren US-Präsidenten George Bush, George W. Bush, sollte sich später im Amt des US-Präsidenten weigern, ein rechtlich bindendes Zusatzprotokoll zur Überprüfung der Biowaffenkonvention für die USA zu unterzeichnen (Biowaffenkonferenz in Genf gescheitert), selbst nach den Anthrax-Anschlägen in Washington 2001 – die übrigens mit Anthraxstämmen aus Camp Detrick, also aus US-Produktion, höchstwahrscheinlich von einem am Biowaffen-Programm beteiligten Mitarbeiter durchgeführt wurden (Auf der Spur der Anthrax-Briefe).

Die Entwicklung von Brain Warfare stand zur Zeit von Frank Olson erst am Anfang. Weitere Studien folgten, z.B. unter Mitwirkung des General Electric-Fernsehforschers Herbert Krugmann, der mittels EEG die Wirkung des Fernsehens auf die menschliche Psyche erforschte. Die meisten MKULTRA-Dokumentationen wurden jedoch rechtswidrig von CIA-Direktor Richard Helms vernichtet.

Heute dürften die damals entwickelten Psychotechniken um ein vielfaches weiter entwickelt worden sein. Das Internet und die digitalen Massenmedien eröffneten ein weites Feld für entsprechende Angriffe auf die menschliche Willensfreiheit. Und die Geheimdienste und Regierungen sind längst nicht mehr allein. Eine profitorientierte Medienindustrie verfügt über gewaltige finanzielle und politische Mittel, um ihre Interessen auch auf diesem Wege durchzusetzen.  Erste Version erschienen auf telepolis 10.4.03

Der Diplom-Psychologe und Diplom-Kriminologe Thomas Barth untersuchte unsere psychologische Manipulation durch die Medien auch in BtmBookeinem Buch über den größten deutschen und europäischen Medienkonzern Bertelsmann (RTL-Senderfamilie, Arvato etc.), der im Oktober 2014 auch noch den Gruner und Jahr Verlag (SPIEGEL, STERN usw.) vollständig aufkaufte: Bertelsmann: Ein globales Medienimperium macht Politik“