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Digitalisierung und Lobby: Transhumanismus I

Transhumanisten bringen bunte Tupfer in die aktuelle Digitalisierungsdebatte, aber auch gefährliche Blütenträume, Lobbyismus und Angst -vor den Chinesen

Thomas Barth

„Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa – das Gespenst des Transhumanismus. Seine Priester und Auguren haben bereits prominente Forschungslaboratorien, Universitäten, globale Unternehmen und politische Institutionen besetzt.“, warnte 2017 die NZZ und hatte damit nicht ganz unrecht. Einige transhumanistische Stimmen wollen heute offenbar einer hemmungslosen Digitalisierung den mühsam erkämpften Datenschutz aus dem Weg räumen -zur Freude der IT-Lobby.

Bild: Singularity Utopia / CC BY-SA 3.0

Wir werfen einen Blick auf die Transhumanistische Partei Deutschlands, den transhumanen Philosophen Sorgner, die mit aktueller Magnet-Hirnstimulation noch unzufriedene Medienforscherin Miriam Meckel, aber auch auf Kritiker einer allzu euphorischen Digitalisierung. Es wird sich zeigen, dass der Transhumanismus differenziert gesehen werden muss -und am Ende bei aller Technik-Euphorie doch nicht um eine Kritik des Internet-Panoptikums herum kommt. Telepolis befasste sich übrigens schon ab 1996 mit dem Transhumanisten Max More  und mit Vorschlägen für ein Inverses Panoptikum als Antwort auf heute immer virulentere politische Dimensionen der Netztechnologien.

Huxley und Humanismus

Der Biologe und überzeugte Eugeniker Julian Sorell Huxley prägte 1951 den Begriff “Transhumanismus” im Aufsatz New Bottles for New Wine und setzte sich zugleich als erster UNESCO-Generalsekretär und bei der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte für humanistische Werte ein. Julians Bruder Aldous Huxley warnte dagegen schon 1932 in seiner Babies-in-Bottles-Dystopie “Schöne neue Welt” vor einer Zukunft mit biologisch fabrizierter Drei-Klassen-Gesellschaft: Genetische oder technische Intelligenzsteigerung hatte schon immer ihre Fans und gehört heute zu den Hoffnungen der neuen Bewegung.

Viele erinnern sich dabei an die LSD-selige SMILE-Revolution (Space Migration, Intelligence Increasement, Life Extension) des „Exo-Psychologen“ Timothy Leary und sei es nur aus den Pop-Conspiracy-Bestsellern von Robert Anton Wilsons Auge-in-der-Pyramide-Zyklus. Bereits im 19.Jahrhundert brachte Auguste Comte, Begründer von Soziologie und Positivismus, eine vom Fortschritt berauschte Bewegung zusammen, in der man sich z.B. von der Medizin beträchtliche Verlängerungen der Lebenszeit, wenn gar nicht Unsterblichkeit erhoffte.

Heute verstehen sich Transhumanisten als Teil einer Bewegung, die vom „Posthumanismus“ abzugrenzen ist, der nicht den Menschen selbst, sondern als eher theoretische Richtung das Menschenbild des Humanismus überwinden will. Dieses wird, anknüpfend etwa an Michel Foucault  und andere Postmoderne, mit Schattenseiten der Moderne in Verbindung gebracht: Etwa psychiatrische Entmündigung, Sexismus, Rassismus, Kolonialismus, Totalitarismus usw. Der Transhumanismus reflektiert diese Schattenseiten eher nicht, steht sogar teilweise zu tradierten humanistischen Werten und will sie auf „verbesserte Menschen“ (Enhancement), Cyborgs und Künstliche Intelligenzen ausweiten (Janina Loh 2018).

Im Jammertal der Digitalisierung

Das aktuelle Elend der Digitalisierung wie auch die Schwächen des cishumanen Mängelwesens Mensch zeigten sich am 4. Oktober 2019 im Tagungszentrum der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Kirche wollte den Transhumanismus erörtern und hatte neben dem Theologen Hoff dafür den Religionsphilosophen Prof.Göcke und den „bekanntesten deutschsprachigen Transhumanisten“ Prof.Sorgner eingeladen. Pech war, Sorgner kam stark vergrippt, Göcke stark verspätet, weil mit der offenbar fehldigitalisierten Deutschen Bahn.

Was ist der Mensch? Was soll er glauben, worauf soll er hoffen? Diese Fragen bewegen Theologen wie Transhumane: „Der Transhumanismus geht davon aus, dass sich der Mensch als ein Produkt der biologischen Evolution auch selbstständig technisch bis hin zu einem neuen Mensch-Maschine-Wesen oder einer Cyberspace-Entität weiterentwickeln kann und sollte.

So beginnt der durchaus transhuman geneigte Göcke die Einleitung zu seinem Buch „Designobjekt Mensch: Die Agenda des Transhumanismus auf dem Prüfstand“. Da kommen digitale Techniken gerade recht, ob als Hirn-Chip, als Big-Gene-Data, KI oder in fernerer Zukunft als virtueller Lebensraum ganz entkörperlichter Menschen (brain uploading). Bedeutsamer Zankapfel der Digitalisierung ist der Datenschutz, der nach Meinung Prof.Sorgners leider auch transhumanem Streben nach kybernetischer wie genetischer Verbesserung des Menschen im Weg steht.

Datenschutz und Transhumanismus bei Google

IT-Konzerne schätzen verständlicherweise Transhumanisten, wie etwa die Super-KI-Forscher des Machine Intelligence Research Institute , mehr als Datenschützer. Google etwa hat mit Ray Kurzweil einen prominenten Transhumanisten zum Forschungsdirektor gemacht, Tesla-Milliardär Elon Musk will mit seiner neuen Firma Neuralink Hirnimplantate entwickeln. Bei Facebook treibt Mark Zuckerberg persönlich transhumane Projekte voran, etwa die Worterkennung per Hirnscan. Das dabei angestrebte Brain-Diktaphon würde nebenbei dem maschinellen Gedankenlesen etwas näher kommen, das der NSA bei ihrer Totalüberwachung noch schmerzlich fehlt. Auch deutsche Transhumane scheinen Belangen der IT-Wirtschaft nicht abgeneigt, wie die Diözese Rottenburg auf oben erwähnter Tagung feststellen konnte.

Prof. Sorgner ließ es sich dort nicht nehmen, die Debatte mit einem Bonmot der IT-Industrie zu bereichern: „Daten sind das neue Öl!“ Unter dieser Parole hatte die Industrielobby bekanntlich versucht, die neue EU-Datenschutzverordnung zu torpedieren, wie eine Polit-Dokumentation zeigte.

Aus Angst davor, die EU könnte von China digital abgehängt werden, tritt Sorgner dafür ein, ein europäisches Social-Credit-System nach chinesischem Vorbild einzuführen, inklusive einer personalisierten Dauerüberwachung der kompletten EU-Bevölkerung:

Warum es für uns keine realistische Position ist, die Datenerfassung zu unterlassen: Der zentrale politische Grund für eine umfassende Datensammlung ist, dass wir in einer globalisierten Welt leben und das Daten das ‚Neue Öl‘ sind, wie viele Experten betonen: Öl bedeutet Macht und finanzielles Florieren. Angesichts dieser Erkenntnis ist es keine realistische Option, keine personalisierten Daten zu sammeln… In China wird ab 2020 ein Sozialkreditsystem flächendeckend angewendet werden. Die Menge an digitalen Daten, die auf diese Weise erhoben wird, ist kaum zu unterschätzen. Je mehr digitale Daten verfügbar sind, desto mehr Macht und Geld kann realisiert werden. Europa dagegen hat Datenschutzbestimmungen institutionalisiert, die einer hilfreichen Erfassung digitaler Daten entgegenstehen.“ Prof. Stefan Lorenz Sorgner 

Damit outet sich Sorgner wohl als transhumaner Extremist, jedenfalls aus Sicht der 2015 gegründeten Transhumanistischen Partei Deutschlands (TPD). Die pocht in den Leitlinien ihres Parteiprogramms Version 2.0 gleich an erster Stelle auf die Grundrechte der Menschenwürde und der informationellen Selbstbestimmung. Sorgner übergeht dagegen in seinem Redebeitrag den möglichen Einwand, dass blinde Gier nach Macht und Geld geradewegs in einen digitalen Totalitarismus führen könnte. Auch an seinem Buch mit dem reißerischen Titel „Transhumanismus: ‚Die gefährlichste Idee der Welt‘!?“ (2016), fällt auf, dass kaum Bedenken, Zweifel oder Kritik an Technologien vorkommen. Dabei haben insbesondere Eingriffe in das menschliche Gehirn eine dunkle Geschichte -man denke an Militär- und Geheimdienst-Projekte wie das Zimbardo-Experiment, LSD-Forschung, Gehirnwäsche oder MKUltra.

Hobbes‘ Wolfsmensch im digitalen Leviathan?

Andererseits verbirgt sich hinter Sorgners optimistischem Bejahen des technischen Fortschritts, das geradezu von einer Euphorie in die nächste taumelt, ein zutiefst pessimistisches Menschenbild: Der „Mensch als des Menschen Wolf“ des Frühaufklärers Thomas Hobbes, wie man es im „Bioshock“-Computerspiel in einer transhumanen Welt der Gen-Mutanten nachspielen kann. Dort werden individuell gestaltete Menschen zu einander bekriegenden Monstren in einer Gesellschaft, die nach den darwinistisch-libertären Grundsätzen von Ayn Rand konzipiert ist (so Weber in Weber/Zoglauer 2015 S.55,69).

Als Begründer der modernen politischen Philosophie empfahl Hobbes zur Überwindung der angeblich menschlichen Gewaltnatur den frühtotalitären Absolutismus eines staatlichen Leviathans. Angesichts einer Welt voller psychopathischer Wolfsmenschen ist eine an Ethik orientierte Lebenshaltung natürlich nicht ratsam, meint offenbar Sorgner, wenn er sagt:

Moralischer zu sein hingegen, ist ggf. nicht der zentrale Wunsch vieler Menschen. Überspitzt formuliert liegt dies meiner Meinung nach darin begründet, dass Moralität in der Regel im Interesse der nicht-moralischen Menschen ist und moralische Menschen eher ausgenutzt, ausgebeutet und unterdrückt werden.“ Sorgner 2016, S.62

Kritisch sieht Sorgner daher eine von manchen Transhumanisten geforderte gesetzliche Verpflichtung zum „moralischen Enhancement“ (und das ist fast die einzige Technikkritik im ganzen Buch). Dabei ist hier nicht ethische Bildung und Erziehung gemeint, sondern Moral etwa per Hirnimplantat oder Einflößung von Drogen, die analog zur Impfpflicht verordnet werden könnte. Das lehnt Sorgner ab. Aber nicht, weil ein Herumpfuschen an den höchsten Funktionen des menschlichen Gehirns unsere Gesundheit, Freiheit und Würde beeinträchtigen könnte, sondern -ganz im Sinne eines Bioshock-Rechtslibertarismus nach Ayn Rand- wegen des „globalen Wettbewerbs“:

Eine solche Regelung mag zwar praktisch nicht ausgeschlossen sein, jedoch erscheint sie mir in keinem Fall im politischen Interesse des betroffenen Landes zu sein, da ein Land mit einer besonders moralischen Bevölkerung im Kontext des globalen Wettbewerbs sicherlich nicht lange bestehen kann.“ Sorgner 2016, S.63

Medien, Macht und Management

Die Medienwissenschaftlerin Prof. Miriam Meckel vertritt bezüglich Datenschutz und Digitalisierung eine der Sorgnerschen ähnliche Position. Sie wandelt ebenfalls auf transhumanen Pfaden, ohne sich jedoch lautstark mit diesem Label schmücken zu wollen, -und verfügt über beträchtlichen Einfluss. Prof. Meckel war von 2014-18 Chefredakteurin bzw. Herausgeberin der Wirtschaftswoche und hat persönlich experimentelle Brain-Enhancement-Technologie ausprobiert, die per Magnetstimulation die psychische Leistungsfähigkeit stärken sollte. Seither berichtet sie häufig davon, wie sie poststimulativ unter 36 Stunden Übelkeit litt. (Aber zum Credo des Transhumanismus gehört schließlich auch das mutige Erproben neuer Technologien.) Was Digitalisierung und Datenschutz angeht, lag Meckel auf einer Linie mit Sorgner als sie verkündete, es würde auf Dauer keine Möglichkeit geben einen umfassenden Schutz persönlicher Daten zu gewährleisten:

Alles was im Bereich der neuen Technologien, der KI passiert, muss mit Daten laufen, und wenn wir diese Daten in Europa nicht benutzen, weil wir sie alle schützen wollen, dann sind wir in Kürze abgehängt. D.h. wir müssen uns was anderes ausdenken, um eine Form von Privatheit zu gewährleisten ohne dass die Daten abgekapselt sind.“ Prof.Miriam Meckel, 2.11.2018 auf SWR1

Aufgrund der Machtposition der agilen Professorin ist dieses Statement weit ernster zu nehmen als die Ausführungen Sorgners. Miriam Meckel gilt im Medienbereich als extrem gut vernetzt, war als Journalistin bei WDR, Vox und RTL (Bertelsmann) tätig und erlangte Berühmtheit auch durch ihre kurzzeitige Ehe mit der prominenten TV-Moderatorin Anne Will. Ihre akademische Blitzkarriere begann 1995, ein Jahr nach ihrer Promotion, mit einer Vertretungsprofessur am Institut für Kommunikationswissenschaft der Uni Münster, 1999 wurde sie ordentliche Professorin und geschäftsführende Direktorin des Instituts. Von März 2001 bis Oktober 2002 ging die parteilose Meckel dann in die Politik, wurde Staatssekretärin für Medien und Regierungssprecherin von Wolfgang Clement (SPD) in NRW. Nach dem Amtsantritt von Peer Steinbrück (SPD) wurde sie bis Juni 2005 NRW-Staatssekretärin für Europa, Internationales und Medien.

Wie auch der Spiegel, sorgt sich Miriam Meckel, dass chinesische Innovationen im Digitalbereich das Silicon Valley überholen und will den Datenschutz zurückschrauben. Analog zu vielen Transhumanisten klingt bei ihr auch Technikdeterminismus bzw. -fatalismus durch: Die Entwicklung sei ohnehin nicht zu steuern, geschweige denn aufzuhalten. Damit befinden sich Meckel und Sorgner erstaunlich nahe an Forderungen der IT-Lobby und im Gegensatz zu kritischen Betrachtern der Digitalisierung.

Die Mathematikerin Cathy O‘Neil, die wirklich etwas von der Technik und dem Code dahinter versteht, fordert etwa mehr „moralisches Vorstellungsvermögen“, denn „Big Data-Prozesse kodifizieren die Vergangenheit und können nicht die Zukunft erfinden“ (S.276). Das Capulcu-Kollektiv zeigt in seinem Buch „DELE_TE! Digitalisierte Fremdbestimmung“ Hintergründe und politische Gegenwehr (2019), ebenfalls weit entfernt vom fatalistischen Erwarten der von oben verordneten Digitalisierung ist Steffan Heuer, dem sein Buchtitel Programm wird: „Mich kriegt ihr nicht: Schritte zur digitalen Selbstverteidigung“ (2019), Shoshana Zuboff warnt vor einem sich etablierenden Überwachungs-Kapitalismus (2019).

Cathy O‘Neil spricht von Weapons of Math Destruction, also Mathe-Vernichtungswaffen (analog zu Massenvernichtungswaffen), warnt mit Blick auf Google, Amazon und Facebook davor, dass „Daten privatisiert und privat genutzt werden, um Profite zu erzeugen und Macht zu gewinnen“. Man müsse die Digitalisierung und ihre Algorithmen bändigen, indem man sie öffentlicher Aufsicht und die sie betreibenden Firmen mit „verpflichtenden Standards der Rechenschaftslegung“ staatlicher Regulierung unterwirft (S.308). Sie weist darauf hin, dass der Trump-Nestor „Steve Bannon, selbst während er gezielt daran arbeitet, das öffentliche Vertrauen in Wissenschaft zu untergraben, im Verwaltungsrat von Cambridge Analytica sitzt -einer politischen Datenfirma, die behauptet, sie habe Trump zum Wahlsieg verholfen…“ (S.313).

Auch die hirnstimulierende Medienprofessorin Miriam Meckel war für eine Art „politische Datenfirma“ tätig, den Beratungskonzern Brunswick. Sorgt man sich dort um Datenschutz oder die Ethik von Algorithmen? Oder nicht vielmehr um das Image von Mark Zuckerberg, der während des Cambridge Analytica -Skandals von Facebook arg ins Schwitzen geriet? Eine enge Verfilzung von Medien, Wissenschaft und Konzernen wird langsam deutlicher. Dies lässt ahnen, warum eine Regulierung der Digitalisierung ähnlich schwierig ist, wie jene im Finanzsektor: Es geht um sehr viel Geld und Macht und sehr viel Geld wird auch eingesetzt, um der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.

Digitalisierungs-Diskurse: Medien, Lobby und PR

Nach ihrem Austritt aus der NRW-Regierung 2005 setzte Prof.Meckel ihre akademische Laufbahn nunmehr im Bereich „Corporate Communication“ fort und wurde Institutsdirektorin an der renommierten Universität St.Gallen, nebenher war sie u.a. für die Lobbygruppe INSM und die Weltbank tätig und wurde Partnerin der bedeutenden PR-Beratung Brunswick Group LLP.

Hinter dem Wort PR verbirgt sich heute zunehmend ein Sektor, der von einigen als globalisierter Lobbyismus, von anderen sogar als privatisiertes Geheimdienstwesen gesehen wird: Man bearbeitet die Massen mittels Kundenprofilen, aber spioniert auch Konkurrenten und politische Gegner aus und lanciert neben normaler Werbung und PR etwa verdeckte Kampagnen gegen sie. Die Transhumanisten der TPD scheinen dies im Blick zu haben, denn sie fordern unter 6.2 ihres Programms: „Erhöhung der Transparenz von wichtigen Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik, beispielsweise durch die Offenlegung von Einkommen, Lobbyismus und Beteiligungsstrukturen“.

Chemie- und Rüstungsfirmen sind Kunden, aber auch die Digitalisierung ist ein lukrativer Sektor von Brunswick: „We are a global team of strategists that focus exclusively on bringing digital into the corporate context.Meckel übernahm für Brunswick 2005 den Aufbau des Berliner Büros und war damit für ein verschwiegenes Beratungsunternehmen tätig, Spezialisten für „Finanz- und Krisenkommunikation“, die gute Kontakte zur Politik pflegen und z.B. auch Ex-Finanzminister Waigel (CSU) engagierten.

Das transatlantische Netzwerk ist dicht gestrickt um Medien-, IT- und Netzkonzerne, welche nicht nur bei den (inzwischen nur noch halb geheimen) Bilderberger-Konferenzen ihr jährliches Stelldichein feiern. Meckel war über den Brunswick-CEO Neil Wolin wohl nur wenige handshakes von US-Präsident Obama entfernt, der Wolin in sein Finanzministerium berief. Die Zusammenarbeit von Industrie und Politik läuft auch in den USA, „der besten Demokratie, die man für Geld kaufen kann“, wie geschmiert. Die neoliberale Medien-, Politik- und Finanzwelt sind dabei enger vernetzt und stehen in dunkleren Traditionen als viele glauben. Neil Wolin etwa war zuvor bei der Hartford-Finanzgruppe, die ITT 1970 übernahm. Damals hatte Allende in Chile die ITT-Kupferminen verstaatlicht und wurde in der Folge mit Hilfe von US-Außenminister Henry Kissingers CIA gestürzt, was den neoliberalen Chicago Boys ihren finanzpolitisch historischen Auftritt bei Diktator Pinochet erlaubte.

Brunswick ist besonders stark in London, wo man BP nach der Deepwater Horizon-Katastrophe beriet sowie die Labour-Regierung in Sachen Deregulierung der Finanzmärkte. Organisieren Krisenberater am Ende die Krisen selbst, die ihnen nachher Kunden bringen? Nach dem Cambridge Analytica-Skandal von Facebook machte man sich jedenfalls bei der Krisen-PR-Beratung Brunswick Sorgen um Mark Zuckerberg, der persönlich als Datenschutz-Muffel unter Druck geraten war.

Facebook und die Kampagne gegen Google

Brunswick-Direktor der von Medienprofessorin Meckel aufgebauten Filiale in Berlin wurde Thomas Wimmer, der sein Handwerk zuvor elf Jahre bei Burson-Marsteller praktizierte, einer mit noch heikleren Kunden befassten PR-Agentur, darunter laut Lobbypedia die Atomkraft-Lobby, Rumäniens Diktator Ceaușescu, Monsanto, das Königshaus der Saudis, die Regierung von Argentinien, als sie wegen der Opfer der Pinochet-Diktatur PR-Probleme hatte; Burson-Marsteller-Senior-Adviser in Brüssel war übrigens die auch für Quandt- und Adenauer-Stiftung tätige Jutta Falke-Ischinger, Ehefrau von Atlantik-Brücken-Vorstand Wolfgang Ischinger, Ex-Diplomat und Teltschik-Nachfolger als Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz. Klein ist die Welt (der Transatlantiker).

Wie Meckel-Arbeitgeber Brunswick war auch Burson-Marsteller in Sachen Facebook tätig und engagierte sich dabei -man höre und staune!- für den Datenschutz. Im Mai 2010 wurde bekannt, dass die Agentur im Auftrag von Facebook verdeckt negative Berichte über Google in den Medien verbreiten ließ. Vielleicht mit Blick auf Googles Bestrebungen, im Sektor sogenannter „Sozialer Netze“ zur Konkurrenz zu werden, wurde dabei der mangelnden Schutz der Privatsphäre durch Google angeprangert. Ein „Corporate Communication“-Ablenkungsmanöver, das Lehrstoff bei Prof.Meckel werden könnte? Der Fall kam ans Licht, weil ein von Burson-Marsteller angefragter Blogger an die Öffentlichkeit ging, Facebook gab daraufhin zu, Burson-Marsteller beauftragt zu haben, so berichtet Lobbypedia.

Wenn unsere Machtelite sich derart umtriebig mit wahrhaft übermenschlicher, um nicht zu sagen transhumaner Energie in so viele unschöne Dinge verstrickt, kann sie schon mal unter Stress leiden. Aber auch dessen Bewältigung lässt sich (mit den entsprechenden Verbindungen) wieder zu einem grandiosen Erfolg machen: 2010 gelang Miriam Meckel ein großer publizistischer Durchbruch mit ihrem (inzwischen auch verfilmten) autobiografischen Bericht über ihr Burnout-Syndrom, neben unzähligen anderen Buchpublikationen, auch zum transhumanen Thema Brainhacking.

KI-Hype übertrieben?

Prof.Sorgner und Prof.Meckel sehen unisono unseren gerade erst erkämpften Datenschutz als nicht haltbar in der kommenden Digitalisierung. Beide führen an, dass Europa mit der neuen DSGVO „abgehängt“ würde, vor allem von China. Während bei Meckel neben diesem technikdeterministischen Fatalismus noch Bedenken anklingen, bejaht Sorgner Big Data euphorisch: Er hofft auf medizinische Revolutionen durch Big-Gene-Data, KI usw. die ohne Aufgabe der Privatsphäre angeblich kaum möglich wären. Transhumanisten hegen generell bombastische Blütenträume über Künstliche Intelligenzen, die uns Menschen einst behüten und umsorgen werden, zur gottgleichen Superintelligenz werden, das All erobern und vieles mehr (Schnetker 2019).

Einige KI-Kritiker sehen dagegen etwa in „lernfähigen neuronalen Netzen“, die aktuell als KI gepriesen werden, eine aufgeblasene Hype. Diese „KI“ wären eher „spreadsheets on steroids“ -Tabellenkalkulation auf Steroiden. So zitiert Schnetker in seiner Kritik der „Transhumanistischen Mythologie“, den DARPA-KI-Experten John Launchbury (Schnetker S.75). Cathy O‘Neil kritisiert die unsozialen Folgen des Einsatzes solcher „KI“ als klassistisch, rassistisch und sexistisch:

Sie versprechen Effizienz und Gerechtigkeit, manipulieren dabei jedoch die höhere Bildung, verursachen zusätzliche Schulden, fördern massenhaft Gefängnisstrafen, prügeln bei jeder Gelegenheit auf die Armen ein und untergraben die Demokratie.“ (O‘Neil S.270)

Der Transhumanismus ist also hinsichtlich seiner Prognosen teilweise fragwürdig, aber er muss sich angesichts lobbyistischer Verfilzungen und enormer Geldsummen, die auf dem Spiel stehen, auch fragen, wer und warum ihn finanziert. Nachdem hier im Exkurs zum Lobbyismus beispielhaft einige Akteure der Machtstrukturen in unserer neuen Netzmedienwelt vorgestellt wurden, wird es im zweiten Teil um deren Methoden und Debatten um ethische Werte gehen. Dabei wird das „inverse Panoptikum“ als Gegenmittel vorgestellt und der von einigen (wenigen) Transhumanisten betriebenen Relativierung des humanistischen Wertes der Menschenwürde entgegen getreten.

Quellen

Anders, Günther: Die Antiquiertheit des Menschen, München 1956

Barth, Thomas: Cyberspace and the Way to the Inverse Panopticon, 11C3, paper CCC 1994

Barth, Thomas: Soziale Kontrolle in der Informationsgesellschaft, Pfaffenweiler: Centaurus 1997 (in 57 Fachbibliotheken einsehbar)

Barth, Thomas: Cyberspace, Neoliberalismus und inverser Panoptismus, Telepolis, 3.7.1997

Barth, Thomas: Self/Less: Tea Party für Transhumanisten, Telepolis 20.8.2015

Barth, Thomas: Kittler und künstliche Intelligenz: Über die Verquickung von Medientheorie und Macht, Berliner Gazette 19.7.2018

Capulcu Redaktionskollektiv: DELE_TE! Digitalisierte Fremdbestimmung, Münster: Unrast 2019

Göcke, B.P.: Designobjekt Mensch?! Ein Diskursbeitrag über Probleme und Chancen transhumanistischer Menschenoptimierung.“ In: Benedikt Paul Göcke/ Frank Meier-Hamidi (Hg.): Designobjekt Mensch. Der Transhumanismus auf dem Prüfstand. Freiburg i.Br.: Herder 2018, 117-152

Heuer, Steffan: Mich kriegt ihr nicht: Die wichtigsten Schritte zur digitalen Selbstverteidigung, Hamburg: Murmann 2019

Hofstetter, Yvonne: Das Ende der Demokratie: Wie künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt, München: C.Bertelsmann 2016

Klöckner, Katharina: Zur ethischen Diskussion um Enhancement, In: Göcke/ Meier-Hamidi (2018) 308-338

Launchbury, John: A DARPA Perspective on Artificial Intelligence, technicacuriosa 2016

Loh, Janina: Trans- und Posthumanismus zur Einführung, Hamburg: Junius 2018

Loh, Janina: Transhumanismus: Den Menschen weiterentwickeln, um ihn besser kontrollieren zu können, Berliner Gazette 15.8.2017

Markantonatou, Maria: Der Modernisierungsprozess staatlicher Sozialkontrolle: Aspekte einer politischen Kriminologie -Transformationen des Staates und der sozialen Kontrolle im Zeichen des Neoliberalismus, Dissertation, Freiburg i. Br. 2005

More, Max: Vom biologischen Menschen zum posthumanen Wesen, Telepolis, 17.7.1996

Mühlhoff, Rainer: Big Data ist Watching You: Digitale Entmündigung am Beispiel von Facebook und Google, in: ders., Anja Breljak u. Jan Slaby. (Hg.): Affekt, Macht, Netz: Auf dem Weg zu einer Sozialtheorie der digitalen Gesellschaft, Bielefeld: transcript 2019, S.81-106

Nagenborg, Michael: Das Private unter den Rahmenbedingungen der IuK-Technologie: Ein Beitrag zur Informationsethik, VS Verlag für Sozialwissenschaften: Wiesbaden 2005

O‘Neil, Cathy: Angriff der Algorithmen, München: Hanser 2017

Schnetker, M.F.J.: Transhumanistische Mythologie: Rechte Utopien einer technologischen Erlösung, Münster: Unrast 2019

Sorgner, S.L.: Transhumanismus: ‚Die gefährlichste Idee der Welt‘!?, Herder: Freiburg 2016

Sorgner, S.L.: Was wollen Transhumanisten? In: Göcke/ Meier-Hamidi (2018) 153-180

Stöcker, Christian, Facebook: Zuckerbergs Theorem, SpiegelOnline, 10.3.2019

Wasson, Haidee: Verkaufsmaschinen -Film und filmische Techniken auf der New Yorker Weltausstellung 1939/40, Montage-AV 2/2015, 161-177  pdf-document

Weber, K. u. T. Zoglauer: Verbesserte Menschen: Ethische und technikwissenschaftliche Überlegungen, München: K.Alber 2015

Zuboff, Shoshana: The Age of Surveillance Capitalism, London: Profile Book 2019

Dieser Beitrag erschien zuerst hier auf TELEPOLIS.

Google-Kritik aus Havard Business School – Shoshana Zuboff: Überwachungskapitalismus

Shoshana Zuboffs Arbeiten zum Überwachungskapitalismus bieten eine gute Ergänzung des hier vertretenen Konzeptes vom Inversen Panoptismus, weil sie die Überwachungskultur von ihrer ökonomischen Seite her analysieren: Kritisch, aber dank ihrer Herkunft aus der HBS (Havard Business School) in der Sprache der herrschenden Machteliten der westlichen Wirtschaftswelt. Über Zuboffs enge Beziehung mit dem FAZ-Herausgeber und Netzfirmen-Kritiker Frank Schirrmacher haben Zuboffs Thesen den deutschen Sprachraum schneller erreicht als den angelsächsischen (sicher auch, weil Technikkritik bei uns traditionell stärker vertreten ist). Ende 2018 erschien ihr Buch dazu zuerst auf Deutsch (!), Januar 2019 die am. Ausgabe. Mehr zum Buch, zu Zuboff und ihren FAZ-Artikeln hier:

Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus

Verlagstext:

Das Zeitalter des ÜberwachungskapitalismusGegen den Big-Other-Kapitalismus ist Big Brother harmlos

Die Menschheit steht am Scheideweg, sagt die Harvard-Ökonomin Shoshana Zuboff. Bekommt die Politik die wachsende Macht der High-Tech-Giganten in den Griff? Oder überlassen wir uns der verborgenen Logik des Überwachungskapitalismus? Wie reagieren wir auf die neuen Methoden der Verhaltensauswertung und -manipulation, die unsere Autonomie bedrohen? Akzeptieren wir die neuen Formen sozialer Ungleichheit? Ist Widerstand ohnehin zwecklos?

Zuboff bewertet die soziale, politische, ökonomische und technologische Bedeutung der großen Veränderung, die wir erleben. Sie zeichnet ein unmissverständliches Bild der neuen Märkte, auf denen Menschen nur noch Quelle eines kostenlosen Rohstoffs sind – Lieferanten von Verhaltensdaten. Noch haben wir es in der Hand, wie das nächste Kapitel des Kapitalismus aussehen wird. Meistern wir das Digitale oder sind wir seine Sklaven? Es ist unsere Entscheidung!

Shoshana Zuboff war 1981 eine der ersten Frauen, die an der Harvard Business School einen Lehrstuhl bekamen. Bereits 1988 schrieb sie den Best- und Longseller „In the Age of the Smart Machine“, in dem sie als Sozialwissenschaftlerin und Ökonomin die technologischen Entwicklungen und daraus resultierenden Kontrollmechanismen vorhersagte. Mit dem Begriff „Dark Google“ prägte sie 2014 maßgeblich die Debatte um die digitale Zukunft und Big Data. Das Magazin strategy+business bezeichnet sie als eine der elf originellsten Wirtschaftsdenkerinnen und -denker der Welt. Shoshana Zuboff lebt in Maine (USA).

FAZ-Artikel: Dark Google (30.4.2014)

Dt.Fassung:  Die Google-Gefahr : Schürfrechte am Leben

Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht: Wir erleben das Entstehen absoluter Macht. Die Internet-Giganten, Google an der Spitze, übertragen ihre radikale Politik vom Cyberspace auf die reale Welt. Sie werden ihr Geld damit verdienen, dass sie die Realität kennen, kontrollieren und in kleinste Stücke schneiden. (…)

Zuboff griff in diesem FAZ-Artikel Eric Schmidt direkt an:

„Eric Schmidts Artikel in der F.A.Z., der in Wahrheit ein Sendschreiben an die Europäer ist, zeigt Anzeichen solch eines Absolutismus. Demokratische Kontrolle wird als „plumpe Regulierung“ abgetan. Die Ausdrücke „Internet“, „Web“ und „Google“ werden verwendet, als wären sie austauschbar und als stünden die Interessen von Google für das gesamte Web und das Internet. Das ist ein Taschenspielertrick, der von den wirklichen Problemen ablenken soll. Schmidt warnt, wenn die EU den Praktiken von Google entgegentrete, könne daraus „ein schwerer Rückschlag für die Innovationskraft in Europa“ resultieren. Genau das Gegenteil dürfte zutreffen. Gerade wegen Googles genialer Fähigkeiten in der Wissenschaft der Überwachung, wegen der Unverfrorenheit, mit der das Unternehmen die Nutzer enteignet und sich deren Datenschutzrechte selbst aneignet, und wegen des aggressiven Vorgehens der NSA verlieren die Menschen das Vertrauen in das gesamte digitale Medium. Und erst dieser Vertrauensverlust droht die Innovation abzuwürgen.“ (…)

-Ein etwas weitscheifig-feuilletonistischer Text, aber durchaus lesenswert! Zuboff widmet ihr Buch auch ihrem verstorbenen Freund Frank Schirrmacher.

„Die Gesellschaft ist immer mehr zu einem Objekt geworden, das in Verhaltensdaten transformiert wird, um kontrollieren und verändern zu können“, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Shoshana Zuboff. Ihr zufolge leben wir in einem „Zeitalter des Überwachungskapitalismus“, der sich vor allem in der Datensammelwut von Digitalkonzernen wie Google, Amazon oder Facebook widerspiegelt. Und der einerseits etwas vollkommen Neues ist, andererseits der klassischen Dynamik des Kapitalismus folgt: „Man geht schon länger davon aus, dass Kapitalismus sich entwickelt, indem Anspruch auf Dinge erhoben wird, die bisher immer außerhalb des Marktes existiert haben, und diese Dinge dann in den Markt integriert und zu Ware erklärt werden, die gekauft und verkauft werden können“, sagt Zuboff unter Verweis auf Karl Polanyis wirtschaftshistorischen Klassiker „The Great Transformation“ von 1944. (…) DLF zu Zuboff

FAZ-Artikel von Shoshana Zuboff, DLF, HIIG (Google Institut)

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/unsere-zukunft-mit-big-data-lasst-euch-nicht-enteignen-13152809.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/die-strategie-von-google-und-facebook-ueberwachen-und-verkaufen-15802775.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-digital-debatte/shoshana-zuboff-googles-ueberwachungskapitalismus-14101816.html

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/die-google-gefahr-zuboff-antwortet-doepfner-12916606.html

https://www.deutschlandfunkkultur.de/shoshana-zuboff-das-zeitalter-des-ueberwachungskapitalismus.950.de.html?dram%3Aarticle_id=429944

https://www.hiig.de/en/events/shoshana-zuboff-surveillance-capitalism-and-democracy/

Zuboff Video Triangulation 380

Triangulation 380: The Age of Surveillance Capitalism (interview)
Jan 11th 2019      Hosted by Leo Laporte 
Shoshana Zuboff, author of ‚The Age of Surveillance Capitalism‘

 

The Guardian, James Bridle: The Age of Surveillance Capitalism by Shoshana Zuboff review – we are the pawns

Tech companies want to control every aspect of what we do, for profit. A bold, important book identifies our new era of capitalism

The litany of appropriated experiences is repeated so often and so extensively that we become numb, forgetting that this is not some dystopian imagining of the future, but the present.  Originally intent on organising all human knowledge, Google ended up controlling all access to it; we do the searching, and are searched in turn. Setting out merely to connect us, Facebook found itself in possession of our deepest secrets. And in seeking to survive commercially beyond their initial goals, these companies realised they were sitting on a new kind of asset: our “behavioural surplus”, the totality of information about our every thought, word and deed, which could be traded for profit in new markets based on predicting our every need – or producing it. (…)

Fazit: The work begins in demolishing the framework of this world order, but it continues in the establishment and enactment of new and better futures.

Full text: The Guardian Review Zuboff

wikipedia zu Zuboff (Auszüge)

She received her Ph.D. in social psychology from Harvard University and her B.A. in philosophy from the University of Chicago. Zuboff joined the Harvard Business School in 1981 where she became the Charles Edward Wilson Professor of Business Administration and one of the first tenured women on the Harvard Business School faculty. In 2014 and 2015 she was a Faculty Associate at the Berkman Center for Internet and Society at the Harvard Law School.

Zuboff’s new work explores a novel market form and a specific logic of capitalist accumulation that she named „surveillance capitalism“. She first presented her concept in a 2014 essay, „A Digital Declaration“, published in German and English in the Frankfurter Allgemeine Zeitung. Her followup 2015 scholarly article in the Journal of Information Technology titled „Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information Civilization“ received the International Conference on Information Systems Scholars‘ 2016 Best Paper Award.

Surveillance capitalism and its consequences for twenty-first century society are most fully theorized in her book, The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. Zuboff’s scholarship on surveillance capitalism as a „rogue mutation of capitalism“ has become a primary framework for understanding big data and the larger field of commercial surveillance that she describes as a „surveillance-based economic order“. She argues that neither privacy nor antitrust laws provide adequate protection from the unprecedented practices of surveillance capitalism. Zuboff describes surveillance capitalism as an economic and social logic. Her book originates the concept of ‚instrumentarian power‘, in contrast to totalitarian power. Instrumentarian power is a consequence of surveillance capitalist operations that threaten individual autonomy and democracy.

Many issues that plague contemporary society including the assault on privacy and the so-called ‚privacy paradox‘, behavioral targeting, fake news, ubiquitous tracking, legislative and regulatory failure, algorithmic governance, social media addiction, abrogation of human rights, democratic destabilization, and more are reinterpreted and explained through the lens of surveillance capitalism’s economic and social imperatives.

Von Shoshana Zuboff’s Homepage:

Shoshana Zuboff joined the Harvard Business School faculty in 1981. One of the first tenured women at the school, she was the Charles Edward Wilson Professor of Business Administration. In 2014 and 2015 she was a Faculty Associate at the Berkman Center for Internet and Society at Harvard Law School. Her career has been devoted to the study of the rise of the digital, its individual, organizational, and social consequences, and its relationship to the history and future of capitalism. She also founded and led the executive education program, Odyssey: School for the Second Half of Life.

NEW WORK

Shoshana Zuboff’s latest book is The Age of Surveillance Capitalism: The Fight for a Human Future at the New Frontier of Power. This new work integrates Zuboff’s lifelong themes: the historical emergence of psychological individuality, the conditions for human development, the digital revolution, and the evolution of capitalism. It begins with the oldest questions: home or exile? master or slave? It explores the emergence of surveillance capitalism as the dominant form of information capitalism and its implications for individuals, society, and democracy in the twenty-first century.

Shoshana Zuboff’s essay “Big Other: Surveillance Capitalism and the Prospects of an Information Civilization,” which appeared in the March 2015 special issue of the Journal of Information Technology, was the recipient of the International Conference on Information Systems Senior Scholars’ 2016 Best Paper Award. Zuboff’s study of surveillance capitalism builds on her  earlier work in, The Support Economy: Why Corporations Are Failing Individuals and the Next Episode of Capitalism (Penguin, 2002), co-authored with Jim Maxmin and In the Age of the Smart Machine: The Future of Work and Power (Basic Books, 1988).

THE SUPPORT ECONOMY

Long before the economic crisis of 2007-2008, this far-reaching multi-disciplinary effort integrated history, sociology, management, and economics to explain why today’s business models have reached the limits of their adaptive range:   “People have changed more than the commercial organizations upon which they depend…In the chasm that now separates individuals and organizations lie the keys to a new economic order with vast potential for wealth creation and individual fulfillment.  The marketplace of a support economy and the associated possibilities of a new distributed capitalism are emerging from the outrage, disappointments, frustrations, and all too frequent humiliations to which today’s new individuals are subjected at the hands of the old organizations.”

The Support Economy has been praised and translated around the world.  It was selected by strategy+business as one of the top ten business books of 2003 and ranked number one in the “Values” category. BusinessWeek named it the “number one idea” in its special issue on “Twenty Five Ideas for a Changing World”. Inc. magazine described The Support Economy as “the new new thing” in its special anniversary issue on entrepreneurship.  The book has also been featured in dozens of other magazines and newspapers including The Economist, Fast Company, The Financial Times, The Times of London, The Boston Globe, The Washington Post and Across the Board (The Conference Board) as well as in major publications in Germany, Italy, India, China, Brazil, Finland, Croatia, Japan, Canada, and South Korea.

In 2006, strategy+business named Shoshana among the eleven most original business thinkers in the world.  She was featured in 2004 as a “Creative Mind” in strategy+business, described as “a maverick management guru…one of the sharpest most unorthodox thinkers today.”

IN THE AGE OF THE SMART MACHINE

Author of the celebrated classic In the Age of the Smart Machine: The Future of Work and Power (1988), Shoshana has been called “the true prophet of the information age”.  In the Age of the Smart Machine won instant critical acclaim in both the academic and trade press—including the front page review in the New York Times Book Review– and has long been considered the definitive study of information technology in the workplace.

In the Age of the Smart Machine is the source of many concepts that have become widely integrated into the understanding of information technologies and their consequences. These include the abstraction of work associated with information technology and its related skill demands; that information technology can pave the way for more fluid distributed work arrangements; the concept of the “information panopticon”; the duality of information technology as an informating and an automating technology; computer-mediated action; information as a challenge to command/control; the social construction of technology; the collaborative patterns of information work–to name but a few.

A scholarly article by Andrew Burton-Jones reviews the continuing impact of In the Age of the Smart Machine on IT-oriented scholarship. He describes the book as “the most cited and celebrated in the whole of the IS field…” According to Finnish scholars Hanna Timonen and Kaija-Stiina Paloheimo’s 2008 analysis of the emergence and diffusion of the concept of knowledge work, In the Age of the Smart Machine is one of three late twentieth century books, including Peter Drucker’s In the Age of Discontinuity and Daniel Bell’s The Coming of Post-Industrial Society, that are responsible for the diffusion of the concept of “knowledge work.”

According to London School of Economics Professor Jannis Kallinikos’s analysis in “Smart Machines,” written on the occasion of the book’s twentieth anniversary for The Encyclopedia of Software Engineering, In the Age of the Smart Machine is “a profound study of the work implications associated with the extensive involvement of information technology in organizations. The book rapidly gained recognition across a wide spectrum of social science disciplines, including management and organization studies, information systems, social psychology, and sociology, and has been debated and quoted extensively. Twenty years may seem an awfully long time in this age of speed and rapid technological change. But, the Smart Machine, as perhaps every great work, holds out remarkably…One could indeed go as far as to claim that in some respects the book is even more relevant and timely today than it was at the time of its publication.”

OTHER WORK

Shoshana Zuboff has also been a frequent contributor to the Frankfurter Allgemeine Zeitung. Recent essays include “The Secrets of Surveillance Capitalism,” March 2016; “Disruption’s Tragic Flaw,” February 2015;  “The Digital Declaration,” September 2014; “The Digital Economy: Human Factors,” July 2014;  “Dark Google,”  April 2014;  “The New Weapons of Mass Detection,” February 2014; “Obama, Merkel, and the Bridge to an Information Civilization,” January 2014; and “Be the Friction: Our Response to the New Lords of the Ring,” June 2013.

From 2003 to 2005,  Shoshana shared her ideas on the future of business and society in her popular monthly column “Evolving”, in the magazine Fast Company.  From 2007 through 2009 she was a featured columnist for BusinessWeek.com. Her work has been showcased on CNBC, Reuters International, and the Today Show as well as in the BrandEins, Fortune, Inc., Business Week, U.S. News & World Report, CIO, The New York Times, The Financial Times, and many other news outlets. She has been heard on over 200 radio shows, including top coverage on NPR’s Marketplace, TechNation, Sound Money, Morning Edition, BBC, and the BBC World Service.